Johann Gabriel Seidl

Der närrische Küster

Ein eisiger Dezemberwind
Durchsaust die öde Flur,
Soweit der Nebel schauen läßt,
Nicht eine Lebensspur.

Nur von der Kirchhofmauer her,
Wo still der Küster wohnt,
Da färbt ein matter Flammenschein
Den grauen Horizont.

Der Wandrer, der des Wegs verfehlt,
Wähnt dort das Dorf zu schaun; –
Doch kommt und sieht er, wo er steht,
Dann faßt ihn fröstelnd Graun.

Den närr'schen Küster sieht er dort
In kalter Nacht allein;
Der sitzt gekauert auf ein Grab
Bei mattem Flammenschein.

Ein morsches Brett ist, was er brennt,
Und offen gähnt ein Grab;
Drein sinkt mit mancher Flocke Schnee
Auch manche Trän' hinab.

Und näher zieht's den Pilger hin:
Das Graun hat eignen Reiz;
Nicht merkt, so scheint's, der Küster ihn; –
Er lauscht an einem Kreuz.

Der Küster aber sitzt und sinnt,
Und schaut ins Flammenlicht;
Sein Leib ist starr, sein Bart bereift,
Er aber achtet's nicht.

Der Pilger ahnt wohl, was es sei,
Tritt vor den stillen Mann,
Und da er nicht erstaunt ihn sieht,
Spricht er ihn freundlich an:

»Gott sei mit Euch! Es saust so kalt,
Daß mir's ganz frostig wird;
Und Ihr sitzt bei so karger Glut, –
Wie kommt's, daß Ihr nicht friert?«

»»Bei dieser Glut – ich frieren? – Ha!
Mir ist recht wohl zumut!
Ich brenn' ein Brett von Liebchens Sarg:
Das gibt gar warme Glut!««