Johann Gabriel Seidl

Charles Bessières

(1813)

Vor seinem Zelte sitzet
Der Marschall im Dämmerschein,
Es mundet dem alten Soldaten
Kein Imbiß und kein Wein;
Vor Lützen war es, am ersten Mai,
Die Truppen marschierten an ihm vorbei,
Der Zeiger wies auf Vier.

»Herr Marschall, laßt's Euch munden,«
So spricht der Adjutant,
»Es dürft' einen Fasttag geben,
Das Feld hier ist bekannt;
Wer weiß, ob ein Tropfe die Kehl' uns netzt,
Eh' morgen wieder, so wie jetzt,
Der Zeiger weist aus Vier.«

Der alte Marschall lächelt:
»Ei, laßt die Sorge sein,
Mir ahnt, ich brauche heute
Nicht Imbiß und nicht Wein;
Der Herr hat jedem ein Ziel gesetzt;
Erinnert Euch des, wenn wieder, wie jetzt,
Der Zeiger weist aus Vier.«

So naht in banger Erwartung
Die Mittagsstund' heran;
Schon regt sich's hüben und drüben,
Schon knallt es dann und wann.
»Gedeckt muß eher der Hohlweg sein,
Dann rüstig mit Gott in den Feind hinein!« –
Der Zeiger rückt auf Vier. –

Der alte Marschall reitet
Voraus mit seinem Troß:
Da schwirrt eine Kugel herüber,
Sein Nebenmann sinkt vom Roß.
Der Marschall erweist ihm die letzte Ehr',
Da schwirrt es wieder, da stürzt auch der, –
Der Zeiger weist auf Vier.

Sie legen ihn auf die Bahre,
Sie tragen ihn fort voll Schmerz,
Es war ihm die Kugel gegangen
Durchs alte Heldenherz;
Knapp an ruht unversehrt die Uhr,
Die Räder standen stille nur,
Der Zeiger weist auf Vier.

Sie führen des Marschalls Leiche
Zu seiner Gattin zurück;
Sie heißt sie mit Tränen willkommen,
Sie fragt mit schmerzlichem Blick:
»O sagt mir, wann er sein Ende fand?«
Sie legen die Uhr in ihre Hand,
Der Zeiger weist auf Vier. –

Auch sie ist heimgegangen,
Verrauscht ist jede Spur;
Nur im verlassenen Zimmer
Hängt einsam noch die Uhr;
Der Enkel bedarf kein mahnend Wort,
Unaufgezogen hängt sie dort,
Der Zeiger weist auf Vier.