Johann Gabriel Seidl

Der Hirt am Berge

Ich steh' am Bergeshange,
Die Herde weidet und springt;
Der Hirte lehnt an dem Felsen,
Und sieht hinunter und singt.

Und was er singt in die Weite,
Es ist nicht Sylbe, nicht Wort;
Es klingt nur so aus dem Innern
In spielenden Tönen fort. —

Ich aber verstehe den Hirten,
Und weiß auch das Wort dafür;
Er lehnt in seinen Gedanken
Wol nicht an dem Felsen hier.

Er steht vor dem Hüttchen der Hirtin,
Und sagt ihr's innig bewußt:
»Du bist mein einziger Kummer,
Du bist meine einzige Lust!«