Johann Gabriel Seidl

Am Allerseelentage

Wenn einst ich im kühlen Grabe ruhe,
Eine arme Seele, wie sie's nennen,
Wird wohl dann auch über meiner Truhe
Solch' ein Lichtlein der Erinn'rung brennen?

Wird aus Wimpern treugebliebner Augen
Auch ein Tröpflein Tau herniederrollen,
Oder hat mein Rasen nichts zu saugen,
Als das karge Naß der feuchten Schollen?

Nein — vergessen wird mein Grab nicht bleiben,
Licht und Tau werd' ich denn doch wohl finden!
Wo der Mensch vergißt in seinem Treiben,
Pflegt ja die Natur noch zu empfinden.

Ja — sie wird durch eine Totengabe,
Daß sie meiner nicht vergaß, mir künden,
Tau mir sprengen, und auf meinem Grabe
Mir ein Irrlicht, als mein Bild, entzünden!