Johann Gabriel Seidl

Außen und innen

Munter jagt des Stromes Welle
Sich im bunten Wirbel hin;
Ihr Gesäusel, ihre Helle
Bürgt für lebensheitren Sinn!

Aber denke dich hinunter,
Und was erst gelächelt, droht;
Nimmer dünkt sie mehr dich munter,
Denn ihr Grund verbirgt den Tod!

Ja du bist mein Bild, o Welle,
Wie ich fühle, wie ich bin!
Außen Wirbeltanz und Helle,
Ein gepriesner leichter Sinn.

Aber ach! im Herzen drinnen,
Wenn es unbelauschter schlägt,
Da will's nicht so fröhlich rinnen,
Als es sich von außen regt.

Innen gar ein nächtig Streben,
Außen ewig Morgenrot;
Wie die Wellen — oben Leben,
Aber unten ach! — der Tod!