Johann Gabriel Seidl

Aschermittwoch

Schaurig aus den Türmen nieder
Dröhnt der Glocken dumpfer Klang.
Still, wie nie geweckt, ist wieder
Saus und Jubel und Gesang.
Und du sargst, o Mensch, bescheiden,
Deine Lust im Herzen ein:
Staub und Asche deine Freuden,
Staub und Asche deine Pein!

Deine Pein, dein Weh', dein Trauern,
Ob entsiegelt, ob geheim,
Es wird auch nicht ewig dauern,
In dir liegt des Trostes Keim.
Denke nur, daß du die Freuden
Dir mit Schmerz erkaufen mußt:
Staub und Asche deine Leiden,
Staub und Asche deine Lust!

Deine Lust genieß' in Wonne,
Gott will frohe Menschen seh'n;
Darum läßt er seine Sonne
Über unsern Häuptern steh'n.
Nur genieße sie bescheiden,
Nenne, was gelieh'n, nicht dein:
Staub und Asche deine Freuden,
Staub und Asche deine Pein!

Deine Pein ertrag' in Ruhe:
Ist sie Gottes Gabe doch;
Vor dem Kränzlein in der Truhe
Blüht wohl dir auch eines noch!
Also bleib' in Schmerz und Freuden
Eines Höhern dir bewußt:
Staub und Asche deine Leiden,
Staub und Asche deine Lust!