Johann Gabriel Seidl

Auf dem Kirchhofe

Im Frühlingsschmucke liegt das stille Feld;
Glück auf zur Saat, die Furche steht schon offen!
Die Sonne Gottes glänzt am Himmelszelt,
Und läßt euch lächelnd ja das Beste hoffen!

Hinunter mit dem Korn! Der Mutter Schoß
Verbürgt ihm eine sichre Ruhestätte.
Warum verzögert ihr sein schönes Los,
Warum mißgönnt ihr ihm das weiche Bette?

Hinunter mit dem Korn! Was soll es hier?
Soll's denn für euer blödes Mitleid büßen?
Es sehnt sich nach der Aussaat, glaubt es mir:
Verspätet Korn wird später reifen müssen.

Was weint ihr denn? Ich kann euch nicht versteh'n;
Warum zerfließt ihr denn in Jammerlaute? —
Habt ihr wohl je den Sämann weinen seh'n,
Wenn er sein Korn der Erde anvertraute?