Unbekannter Dichter

Prinz Eugens Tod

(aus dem 18. Jahrhundert)

Der Tod:
Nun gib dich drein, du starker Held,
Es muß geschieden sein!
Ob auch besiegt hast alle Welt,
Ich mäh dich nieder in dem Feld,
   Als wie ein Blümelein.

Leg ab dein fürstlich Ornament,
Dein Schwert und Marschallstab,
All Zierrat, so die Welt geschenkt,
Dann ich, der Tod, komm gar behend,
   Itzt heißt es: fort in's Grab!

Prinz Eugenius:
O Tod, du bist ein schlimmer Gast!
Wer schauet dich dann gern!
Doch hab ein frischen Mut gefaßt!
Dieweil mir gibt das Alter Last,
   So will mich auch nicht sperr'n.

Hat man mich gleich sehr hoch geacht,
In Kriegs- und Friedenszeit,
Hab auch gewonnen manche Schlacht,
Des Kaisers Feind' zu nicht gemacht,
   Im ritterlichen Streit:

So muß doch weichen deinem Schwert,
Und dir zu Willen sein;
Mein Werk ist aus auf dieser Erd -
Ade! du Welt, so mich geehrt!
   Ich geh in Himmel ein.

Der Kaiser:
O, du mein treuer General
Und ritterlicher Held,
Du mein berühmter Feldmarschall,
Ich sage dir viel tausendmal
   Ade für diese Welt!

Will dir auch bau'n ein Monument
Zu deines Leibes Ehr,
Daran man immerdar erkennt,
Daß dich vor Allen hoch genennt,
   Wie sonst kein Andern mehr.

Eugenius:
O großer Kaiser, was ich tat,
Solch's acht' vor Schuldigkeit!
Ich dank' vor so viel Güt und Gnad,
Die mich so lang erfreuet hat,
   Noch in der Ewigkeit.

Die Kriegsleut:
O Jammer, Not und große Klag!
Der Rittersmann und Held,
So uns verschafft viel Siegestag,
Türk' und Franzosen hat verjagt,
   Der soll nun von der Welt!

Hör, Tod, und merke dieses Wort:
Sollst geben noch Quartier!
Eugenius unser Held und Hort,
Den sollt du nicht so nehmen fort,
   Poch an ein ander Tür!

Der Tod:
Ich lach darzu; steckt ein eu'r Schwert!
Schaut, daß nicht komm zu euch!
Ein solcher Held ist mir sehr wert,
Darum ich bin hier eingekehrt.
   Er muß nun in mein Reich!

Prinz Eugenius:
Ihr Krieger all, es ist vorbei!
Von euch abscheid ich schwer;
Ich dank euch vor die Lieb und Treu,
So mir bezeigt nochmalen neu,
   Doch ist's nicht anders mehr.

Ade, Ade! Es geht zu End!
Itzt, Tod, bin ich gerüst.
Mein Leib sich zu der Erde wendt,
Die Seel befehl in deine Hand,
   Mein Heiland Jesu Christ!

Der Tod:
Bin doch der größest Kriegesmann,
Mein Zelt, das ist das Grab;
Kaiser und König, Rittersmann,
Papst, Kardinal und Bettelsmann -
   Ich hol sie alle ab. -