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Das Gedicht „Abschied“ stammt aus der Feder von Ernst Goll.

I.

Der Herbstwind bläht
Die Segel schwer,
Mein Schifflein fliegt
Ins wilde Meer.

Noch einmal sieht
Mein Blick zurück
Nach all dem süßen
Verrauschtem Glück.

Die Nebel wallen,
Die Welle flieht,
Und leise weint
Mein Abschiedslied:

Ade, du Häuschen
Am Waldessaum,
Ade, goldener
Maientraum.

Ihr Blumen im Walde,
Ihr Vöglein im Wind –
Ade auch du blondes,
Liebliches Kind.

Ich hätte so gerne
Bei dir geweilt …
Vorüber, vorüber!
Mein Schifflein eilt …

Schon hüllt ein Nebel
Die Heimatnäh.
Ade, meine Jugend,
Ade, ade…

II.

Der schöne Sommer geht zu Ende,
Die Blütenbäume stehn entlaubt,
Oh, leg noch einmal deine Hände
Zum Segnen auf dies müde Haupt!

Die Sehnsucht meiner besten Tage
Erfüllte sich: Du wurdest mein. –
Der laute Jubel wird zur Klage,
Denn was noch kommt, muss trübe sein.

Der schöne Sommer geht zu Ende,
Die Blütenbäume stehn entlaubt,
Oh, leg noch einmal deine Hände
Zum Segnen auf dies müde Haupt!

III.

Die liebe Sonne glühte und versank:
Das ist der letzte Gruß der Mutter Erde.
Mein Leben war ein Schönheitslobgesang
Und einer Sehnsucht bittende Gebärde.

Nun steh ich lächelnd an dem Saum der Zeit
Und seh die roten Wolkenschiffe schweben,
Wenn sie verblassen in der Dunkelheit,
Hab ich die Sehnsucht dir zurückgegeben.

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