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Das Gedicht „Advent“ stammt aus der Feder von Therese Keiter.

1

Dein Zeichen will ich, Gott, von dir,
Dich, Geist vom Geiste, nicht versuchen.
Daß nicht mein frecher Sklavensinn
Erzittre unter deinem Fluchen.

Ich will erwarten dein Geheiß,
Mich unter deine Führung beugen
Und lauschen auf die Heimwehqual,
Das Sehnsuchtsweh, die von dir zeugen.

Ich will mit reinen Händen stehn
Und einem tiefen, lautren Herzen.
Ich will die Gier und Augenlust
Und Hoffart aus der Seele merzen.

Demütig will ich sein und still,
Vielleicht auch schmach- und schuldbeladen
Wie jener Zöllner, der von dir
Gerettet ward in Huld und Gnaden.

Bis du in meine Pforte trittst,
In meines Lebens stummen Garten,
Herr, wenn du willst und wie du willst.
Solange will ich auf dich warten.

2

Ach, über den gefrornen Schnee,
Ach, über dieses weiße Feld,
Das keinen einz'gen Fußtritt trägt,
Komm, süßes Kind, du Heil der Welt!

Wir schrei'n nach dir, du Gotteskind!
Tritt ein in unser dunkles Haus,
Du reines Licht, du Unschuldstraum,
Und mach ein Paradies daraus!

Komm durch den tausendjähr'gen Schnee
Komm durch den Wust von Schuld und Not,
Und bring' uns deines Himmels Gruß,
Und deines Lächeln's Morgenrot!

Rühr' du mit deiner kleinen Hand
An starre, müde Herzen an,
Und zeig' uns, was die Reinheit ist,
Und lehr uns, was die Liebe kann!

Ach, über den gefrornen Schnee,
Ach, über dieses weiße Feld,
Das keinen einz'gen Fußtritt trägt,
Komm, süßes Kind, du Heil der Welt!

Therese Keiter

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