Sophie Albrecht

Wert der Welt

Sie wär's nicht werth, so eine Welt, wie diese,
Daß man ihr auch nur eine Thräne weiht;
Die Welt, wo ich den Freund am Busen schließe,
Die Welt, wo Liebeskuß erfreut? -

Die Mutter sanfter Sympathie der Seelen,
Die Lebensfunken aus Verwesung treibt,
Die hier verlobt, was dort sich wird vermählen,
Die unsern Lehnsschein für den Himmel schreibt? -

Die schöne Welt! voll Melodie der Flöte,
Die Schlaf und Blumen um die Quelle streut;
Die Welt, voll Pracht in Mond und Abendröthe,
Womit sie Fürst und Bettler gleich erfreut? -

Die traute Welt, die ihre Schattenlauben,
Mir noch gewiß für jene Zukunft flicht;
Die Schöpferin von Edens Wunderglauben,
Verdiente unsre heiße Thräne nicht? -

O, schöne Welt, es soll mein Lied verehren,
Dich, unsres Bundes Vaterland,
Gern wein' ich dir noch tausend – tausend Zähren,
Wenn eine nur sein liebend Herz verstand.