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Das Gedicht „An den Nil“ stammt aus der Feder von Ernst Lissauer.

Liebe und Lob singe ich dir,
Nil, schenkender Strom, heiliges Urbild mir!

Die Ebenen brennen in dürstender Not,
Staub qualmt über dem Feld; unerbittliche Sonne loht.
Doch gesäugt aus des flutreichen Himmels erspringenden
Quellen,
Schwellend wälzt du zu Tai die wachsenden Wellen,
Unendlich brandet das Rauschen, als fließe, zum
Strome gestreckt,
ein Meer,
Wind, verkündender Wind, weht vor dir her.
Jubel mischt sich dem Brausen; dem nahenden Spender
Jauchzen die Menschen, jauchzen die Länder.

Nun, schaffender Strom, anhebst du das Werk und stößt
Über das Land pflügende Flut, daß sie den Boden löst.
Düngend rollen
Die sämigen Wasser und nähren
Mit tragender Kraft die wartenden Schollen,
Zu reifen die Blüten, die Früchte, die Ähren, —
Ernte steht auf, in prangenden Chören preist dich die frohlockende
Saat, —
Segen ist dein Wille, Sommer ist deine Tat.

Liebe und Lob singe ich dir, erleuchtet von seliger Glut, Heiliges Urbild mir, Nil, du wirkende Flut!

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