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Das Gedicht „An Julius II.“ stammt aus der Feder von Michelangelo Buonarroti.

Herr, hatte je ein altes Sprichwort Wert,
So hat es dies: Wer kann, der will noch nicht.
Auf hohle Reden legtest du Gewicht
Und hast mit Gunst der Wahrheit Feind geehrt.

Stets hab' ich mich in deinem Dienst bewährt,
Dein, wie der Sonne ihrer Strahlen Licht;
Doch, wenn ich Zeit verloren, rührt's dich nicht,
Und schaltest mehr, je mehr ich mühbeschwert.

Mein Hoffen hatt' ich ganz auf dich gestellt,
Nur war ein gutes Schwert und rechte Wage
Mehr angebracht als hohles Echowort.

Doch wahrer Tugend wert hält diese Welt
Der Himmel nicht, will er, dass Früchte trage
Ein hohler Baum für uns, der schon verdorrt.

Quelle: Übersetzt von Bettina Jacobson (1841 - 1922) einer deutschen Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie übersetzte auch das Gedicht Der Rabe von Edgar Allan Poe.

Anmerkung: Julius II. (ursprünglich Giuliano della Rovere; 1443 - 1513) war von 1503 bis zu seinem Tod römisch-katholischer Papst. Er begründete im Jahr 1506 die päpstliche Leibwache Schweizergarde und verstand sein Amt vor allem im Sinne eines italienischen Territorialfürsten.
Für den Neubau des Petersdoms engagierte er den fast gleichaltrigen Donato Bramante, für das Grabmal Michelangelo, den er auch beauftragte, das Deckengewölbe der Sixtinischen Kapelle auszumalen, Raffael gewann er für die Arbeiten in den Privatgemächern im Vatikanpalast, den Stanzen.

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