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Das Gedicht „An meine Mutter“ stammt aus der Feder von Edgar Allan Poe.

1

Da mir gewiß ist, daß im Himmelsreich

Die Engel, wenn sie glühend sich benennen

Mit Liebesnamen, dennoch keinen kennen,

Der den geweihten Lauten »Mutter« gleich -

Geschah es längst, daß ich dich also hieß,

Die, mehr als Mutter, mir im Herzen tief

Die Stelle ausfüllt, die der Tod dir wies,

Als er Virginias Geist von hinnen rief.

Die eigene Mutter, die ich früh verloren,

Als Kind, war eine Mutter mir allein;

Doch du hast die Geliebte mir geboren,

Und teurer als die Mutter meines Leibes

Bist du mir, wie die Seele meines Weibes

Mir mehr galt als der eignen Seele Sein.

2

Weil ich denn fühle, daß im Himmel
Die Engel, wenn in Liebe sie entbrennen,
Von allen heißen Liebesworten doch
Keins so voll Verehrung wie "Mutter" kennen,

Drum war's dies Wort, mit dem ich lang dich ehrte —
Dich, die als Mutter über mich gewacht
Und nun das Herz mir füllt, wo Tod es leerte,
Als er Virginias Seele frei gemacht.

Die eigne Mutter, die ich früh verloren,
War nur die Mutter meiner selbst; doch du
Bist's jener Einen, der ich Lieb' geschworen,

Und mehr mir so, als die in Frieden ruh' —
Um so unendlich viel, als mir mein Weib
War lieber als mein eigen Seel' und Leib.

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