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Das Gedicht „An seine Braut“ stammt aus der Feder von Johann Christian Günther.

Deine Schönheit, kluges Herze,
Ist kein schlecht und flüchtig Gut,
Das uns mit verbotnem Scherze
Zu den Sünden Vorschub tut,
Wenn sich unsrer Lüste Kraft
An geschminckter Haut vergafft.

Da ich dich recht kennen lerne,
Klag ich meine Torheit an,
Die bei manchem Unglückssterne
Mir die Augen aufgetan
Und die Blüten junger Zeit
Mancher Delila geweiht.

Deine rein- und wahre Liebe
Macht den Anfang meiner Reu.
Packt euch fort, ihr bösen Triebe
Der verbuhlten Tyranney!
Marianens Tugendglanz
Windet mir den Unschuldskranz.

Dies Gemüte soll auf Erden
Meines Ehstands Himmel sein
Und mir unter viel Beschwerden
Zuflucht, Rat und Trost verleihn,
Bis ihr treuer Abschiedskuß
Auch den Tod erleichtern muß.

Ach, was blüht mir vor ein Glücke,
Da mich so ein ehrlich Kind
Unter Feinden, Gram und Tücke
Sonder Eigennutz gewinnt;
Da sie mir den Schwur getan,
Fang ich erst zu leben an.


Nehmt, ihr Stunden, nehmt doch Flügel,
Nähert mir das holde Licht,
Das mir auf der Lippen Siegel
Völligen Besitz verspricht;
Melde dich, gewüntschter Tag,
Da die Keuschheit scherzen mag.

Warthe nur, du schöner Engel,
Mit gelaßner Zuversicht!
Hab ich als ein Mensch gleich Mängel
Hab ich doch die Falschheit nicht;
Gottes Aug und meine Hand
Bürgen vor den Unbestand.

Sollt ich auch in schlechten Hütten
Mich um Salz und Brot bemühn,
Wird der Umgang deiner Sitten
Dennoch mich zur Wollust ziehn;
Die Gesellschaft deiner Brust
Macht die gröste Not zur Lust.

Meine Freundin, meine Taube,
Meine Schwester, ja mein Ich,
Liebe, leide, schweig und glaube,
Das Verhängnüß beßert sich,
Und sein Ratschluß krönt forthin
Kurze Qual mit viel Gewinn.

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