Gedichte Gedichte

Die besten Gedichte von Arno Holz (1863 - 1929) - einem deutschen Dramatiker und Dichter (Epoche des Naturalismus und Impressionismus).

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Genie ist Fleiß.
Gewiß. Ich weiß.
Doch trotzdem: nie
Ist Fleiß Genie!

 

Die Kunst hat die Tendenz, wieder die Natur zu sein. Formelhaft ausgedrückt: Kunst = Natur – x.

 

Wenn die Kritiksucht unsre Kunst,
En masse schablonenhaft verhunzt,
Fällt mir der Vers ein, der famose:
Du stinkst, sprach einst das Schwein zur Rose.

 

... von Gedanken, von Gefühlen,
hat noch kein Mensch sich satt gemacht!

 

Auf der lyrischen Oase
wiegt als Palmbaum sich die Phrase.
Quelle: Die Blechschmiede.

Vor meinem Fenster

Vor meinem Fenster
singt ein Vogel.
Still hör ich zu; mein Herz vergeht.
Er singt,
was ich als Kind besass,
und dann - vergessen.

Die deutsche Dichtkunst

Die deutsche Dichtkunst schrieb notorisch
Sich selber den Uriasbrief,
Seit das Gefühl ihr obligatorisch
Und der Verstand nur fakultativ.

Abklingendes Aprilgewitter

Aus grauem Himmel
sticht die Sonne.
Jagende Wolken, blendendes Blau!

Ins grüne Gras greift der Wind, die Silberweiden sträuben sich.
Plötzlich - still.
Auf einem jungen Erlenbaum
wiegen sich blinkende Tropfen!

Einem Kritiker

Das größte Maul und das kleinste Hirn,
wohnen meist unter derselben Stirn.

An die Opportunisten

Die sieben Weisen waren eure Väter,
Doch euer Ohm ist Judas, der Verräter,
Denn wie der Wind weht, macht ihr tapfer Front,
Und euer Bauch ist euer Horizont.

Leben & Werk

Arno Hermann Oscar Alfred Holz wurde in Rastenburg, Ostpreußen (heute Kętrzyn, Polen), als Sohn des Apothekers Hermann Holz und Franziska geb. Werner geboren. Die Familie zog 1875 nach Berlin. Nach seiner Schulzeit arbeitete Holz ab 1881 als Journalist, entschied sich aber für ein Leben als freier Schriftsteller. Die meiste Zeit seines Lebens war er von finanziellen Schwierigkeiten geplagt. Er knüpfte Kontakte zum Berliner Naturforscherverein Durch, wo er den berühmten Schriftsteller Gerhart Hauptmann kennenlernte. Sein Gedichtband "Buch der Zeit" wird 1885 mit dem Schillerpreis ausgezeichnet. Um diese Zeit war Holz vom Darwinismus fasziniert.

Ab 1888 und arbeitete Holz mit dem Übersetzer und Schriftsteller Johannes Schlaf zusammen. Gemeinsam entwickelten sie in ihrer programmatischen Schrift "Die Kunst: ihr Wesen und ihre Gesetze" eine Theorie des "konsequenten Naturalismus", wobei sie eine exakte Beschreibung der Kunst anstrebten und umgangssprachliche Elemente einbauten. Sie versuchten in ihrer Beschreibung, die Subjektivität aus der Kunst zu eliminieren, soweit dies wissenschaftlich möglich war, zusammengefasst in der Holz'schen Formel,

Kunst = Natur - x

wobei x die Materialien sind, die zur Herstellung von Kunst benötigt werden. Im Idealfall soll die Kunst der Natur so nahe wie möglich kommen, und es liegt in der Verantwortung des Künstlers, x in dieser Formel zu minimieren. Holz und Schlaf versuchten, das theoretische Postulat des "konsequenten Naturalismus" in ihren gemeinsamen Werken "Papa Hamlet" und "Die Familie Selicke", Theaterstücke, die unter dem Pseudonym Bjarne P. Holmsen veröffentlicht wurden (Uraufführung 1890 in Berlin und Madeburg), umzusetzen. Der Anspruch an die Kunst, die Wirklichkeit genau wiederzugeben, führte zu neuen experimentellen Ausdrucksformen - zum Beispiel zum Sekundenstil, in dem soziale Missstände in Echtzeit minutiös beschrieben werden. Die Rezeption von Papa Hamlet war sehr unterschiedlich. Die meisten Kritiker bedauerten ihn, andere, darunter Theodor Fontane, sahen in ihm einen hohen künstlerischen Wert.

Schlaf und Holz stritten sich über die Einnahmen aus den beiden Stücken, die relativ bescheiden ausfielen, was zu einem Bruch ihrer Beziehungen führte. Holz behauptete, dass er mehr hätte tun können und künstlerisch mehr zu beiden Werken beigetragen hätte. Holz experimentierte fortan mit ungereimten Stilen und brach mit traditionellen Formregeln. Er behauptete, die Werke sollten vom "inneren Rhythmus" bestimmt und frei von regelmäßigem Reim und Versmaß sein. Diese Prinzipien legte er in seiner Schrift "Revolution in der Poesie" (1899) fest.

Im Jahr 1893 heiratete er Emilie Wittenberg, mit der er drei Söhne hatte.

1896 begann Holz mit der Arbeit an einem dramatischen Zyklus, Berlin inspiriert von Zolas Romanserie Rougon-Macquart. Das ursprünglich aus fünfundzwanzig Einzelstücken bestehende Werk "Wandel der dramatischen Zeit" blieb in drei Werken unvollendet: der Komödie "Sozialaristokraten" (1896) und den Tragödien "Eklipse" (1908) und "Ignorabimus" (1913). Diese späten Dramen scheiterten beim zeitgenössischen Theaterpublikum; die Buchausgaben fanden trotz zahlreicher Überarbeitungen kaum Käufer.

1898 veröffentlichte Holz sein Meisterwerk, den Gedichtband Phantasus, in dem er seine sprachliche Virtuosität unter Beweis stellte. Das Werk schildert das Milieu der geringgeschätzten, hungrigen Dichter von Holz' eigenem Weddinger Kiez in Berlin. An den Gedichten hatte Holz sein ganzes Schaffen lang gearbeitet, seine vielfältigen Texte immer wieder verändert, verworfen und wieder aufgegriffen. Eine typografische Besonderheit der Gedichte ist, dass alle Zeilen auf einer Achse zentriert sind, so dass ein rechter und linker Rand entsteht (in der heutigen Zeit der Computer üblich, aber damals selten). Zum Beispiel die folgende Passage über die St. Georgskirche in Rastenburg, aus "Kindheitsparadies".

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landfernhin schauenden, landfernhin lugenden, landfernhin
sichtbaren
Burgbelfriedtürme
der massig, der mächtig, der
wuchtig
der
sturmtrotzig, ehrwürdig, bollwerkkühn,
letztzufluchtstark
stolzen,
feldsteinuntermauerten, ziegelstumpfbraunrötlichen,
berghügelkrönenden,
strebepfeilerigen, sternkreuzgewölbigen,
buntfensterigen
Sankt
Georgenkirche.

1903 schrieb er Lieder auf einer alten Laute, inspiriert von der Poesie der Barockzeit. Dieser Band wurde später als Dafnis erweitert und von Reinhard Piper herausgegeben, und einer der wenigen finanziellen Erfolge von Holz. Die Gedichte, die in Gestaltung, Thema und Layout des Bandes einflossen, zelebrierten das barocke Ess- und Erotikgeschehen. Anerkennung erhielt Holz auch für seine Tragikomödie Traumulus (1904), die erste von fünf, die er mit seinem Freund Oskar Jerschke schuf. Das Werk wurde nach seinem Erscheinen auf vielen Bühnen inszeniert und diente 1935 als Grundlage für einen von Carl Froelich produzierten Film mit Emil Jannings in der Titelrolle.

Zwischen 1910 und 1929 lebte Holz im Berliner Stadtteil Schöneberg. Er ließ sich scheiden und heiratete 1926 erneut. Im Jahr 1929 war Holz auf der Kandidatenliste für den Literaturnobelpreis. Er ist in einem Ehrengrab auf dem Friedhof Heerstraße beigesetzt. Ihm zu Ehren sind mehrere Denkmäler errichtet worden.

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: