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Das Gedicht „Auf dem See“ stammt aus der Feder von Johann Wolfgang von Goethe.

Und frische Nahrung, neues Blut
Saug ich aus freier Welt;
Wie ist Natur so hold und gut,
Die mich am Busen hält!
Die Welle wieget unsern Kahn
Im Rudertakt hinauf,
Und Berge, wolkig himmelan,
Begegnen unserm Lauf.

Aug, mein Aug, was sinkst du nieder?
Goldne Träume, kommt ihr wieder?
Weg, du Traum! so gold du bist;
Hier auch Lieb und Leben ist.

Auf der Welle blinken
Tausend schwebende Sterne,
Weiche Nebel trinken
Rings die türmende Ferne;
Morgenwind umflügelt
Die beschattete Bucht,
Und im See bespiegelt
Sich die reifende Frucht.

Analyse

Das Gedicht "Auf dem See" (1789; Epoche des Sturm und Drang) besteht aus 3 Strophen mit jeweils 8,4,8 Versen.

Die ersten Strophe (Kreuzreim) ist bestimmt durch ein abwechselnde vier- und dreihebiges jambische Versmaß. Die Kadenzen sind durchweg männlich.
Die zweite Strophe (Paarreim) ist bestimmt durch vierhebige Trochäen. Der erste Paarreim ist weiblich, der zweite männlich.
Die dritte Strophe (Kreuzreim) weist zuerst weibliche, dann männliche Kadenzen auf. Zudem lassen sich dreihebige Trochäen sowie einige Daktylen erkennen. Goethe kombiniert hier Elemente aus der 1. und 2. Strophe.

Inhalt / Zusammenfassung

Das lyrische Ich befindet sich auf einer Bootsfahrt. Es ist noch früh am Morgen. Die Natur wird sowohl als nährende Mutter metaphorisiert als auch als Umgebung von unbesorgter Freude beschrieben. In der zweiten Strophe, droht das schwermütige lyrische Ich in eine Traumwelt zu versinken, aus der es jedoch wieder entkommen kann. In der dritten Strophe ergötzt sich das lyrische Ich wieder an der Natur, diesmal allerdings konkreter als in der ersten Strophe. Sie ist durch Integration des Vergangenen und durch Beruhigung und Ausgleich des Gegensätzlichen gekennzeichnet.

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