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Das Gedicht „Auf eine Unbekannte“ stammt aus der Feder von Friedrich Hebbel.

Die Dämmerung war längst hereingebrochen,
  Ich hatt’ dich nie gesehn, du tratst heran,
Da hat dein Mund manch mildes Wort gesprochen
  In heil’gem Ernst, der dir mein Herz gewann.
Still, wie du nahtest, hast du dich erhoben
  Und sanft uns allen gute Nacht gesagt,
Dein Bild war tief von Finsternis umwoben,
  Nach deinem Namen hab ich nicht gefragt.

Nun wird mein Auge nimmer dich erkennen,
  Wenn du auch einst vorübergehst an mir,
Und hör ich dich von fremder Lippe nennen,
  So sagt dein Name selbst mir nichts von dir.
Und dennoch wirst du ewig in mir leben,
  Gleichwie ein Ton lebt in der stillen Luft,
Und kann ich Form dir und Gestalt nicht geben,
  So reißt auch keine Form dich in die Gruft.

Das Leben hat geheimnisvolle Stunden,
  Drin tut, selbst herrschend, die Natur sich kund;
Da bluten wir und fühlen keine Wunden,
  Da freun wir uns und freun uns ohne Grund.
Vielleicht wird dann zu flüchtigstem Vereine
  Verwandtes dem Verwandten nahgerückt,
Vielleicht, ich schaudre, jauchze oder weine,
  Ist’s dein Empfinden, welches mich durchzückt!

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