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Das Gedicht „Auf Vittoria Colonnas Tod“ stammt aus der Feder von Michelangelo Buonarroti.

1

Als sie, um die viel Seufzer mich verzehren,
Der Erde, meinem Blick und sich entschwand,
Da blieb Natur, die ihrer wert uns fand,
Beschämt zurück, und, der sie sah, voll Zähren.

Heut wird man nicht den Tod sich rühmen hören,
Ob dieser Sonnen Sonne: ihm entwand
Die Liebe sie: hier lebend festgebannt,
Weilt sie dort oben unter Engelchören.

Wohl meinte dieser arge, böse Tod:
Verstummen müssten hier die Ruhmesklänge,
Darin man Tugend, Seelenschönheit ehrte.

Und dennoch spenden jetzt uns die Gesänge
Mehr Lebensglanz, als einst ihr Leben bot:
Der Himmel liess uns, was ihm nicht gehörte.

2

Dass nah dem Feuer mich die Glut verzehrte,
Was Wunder? Und, dass jetzt, wo es verglommen,
Ich mich bekümmert fühle und beklommen,
So dass ich nach und nach zu Asche werde?

Ich sah, wie Flammenschein den Ort verklärte,
Von dem mir all die schwere Pein gekommen,
Doch gab der Anblick schon mir Heil und Frommen,
Der Qual und Tod in Wonne mir verkehrte.

Jetzt, da der Himmel mir des Feuers Helle, —
Die mich entzündet, mich ernährte, — nimmt,
Glüh' ich als Kohle noch im Aschengrabe.

Schafft mir nicht Amor Feuerstoff zur Stelle,
Bleibt auch kein Fünklein mehr, das weiterglimmt,
Wenn ich zu Asche mich verwandelt habe.

3

Um so vollkommne Schönheit nicht von allen
Zurückzufordern, wenn der Tod erschien,
Ward einer sie verliehn:
Der Hohen, Reinen, unter zartem Schleier.
Hätt' allen Sterblichen es Gott gefallen,
Sie zu gewähren, war der Rückkauf teuer.
Ein Hauch ward zum Befreier,
Ein Augenblick, an Dauer kaum gemessen,
Genügte, dass sie Gott
Zurückgeholt: Kein Auge schaut sie wieder! —
Doch bleiben unvergessen,
Ob auch die Hülle tot,
Uns ihre schönen, heilgen, süssen Lieder.
Lieh Gott an schlimme Brüder
So viel wie ihr, wollt' es zurückerwerben,
Mitleid, gesteh's: Wir alle müssten sterben! —

4

Ward auch schon manches Menschenbild gesehn,
Das aus dem harten Stein mein Hammer bricht,
So steht er doch in Meisters Bann und Pflicht,
Durch den allein kann Schlag und Führung gehn.

Nur was da göttlich wohnt in Himmelshöhn,
Ist schön durch sich, versendet eignes Licht;
Doch wird ein Hammer ohne Hammer nicht,
Kann Leben auch aus Leben nur erstehn.

Weil nun der Schlag nur stärker niederfährt,
Je höher wir hinauf den Hammer schwingen,
Flog über mich der deine himmelan.

So, wenn Gott gnädig Hilfe nicht gewährt,
Kann des Unfert'gen Bildung nur misslingen,
Weil sie kein andrer hier vollbringen kann.

Quelle: Übersetzt von Bettina Jacobson (1841 - 1922) einer deutschen Schriftstellerin und Übersetzerin. Sie übersetzte auch das Gedicht Der Rabe von Edgar Allan Poe.

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