Friedrich Wilhelm Carové

Romanze vom Jungfräulein (Infantina)

Romanze aus dem Altspanischen
übersetzt Friedrich Wilhelm Carové

Auf die Jagd geht aus der Ritter,
   Auf die Jagd, wie er es pflag,
Seine Hunde sind ihm müde,
   Ihm verloren war der Falk;
Lehnte sich an eine Eiche,
   Wunderhoch die Eiche war,
Auf sehr hohem Aste sitzen
   Er ein Jungfräulein gewahrt’,
Haare ihres Hauptes deckten
   Jene Eiche ganz und gar. –

Nicht erschrecken sollst du, Ritter!
   Haben nicht so große Angst,
Tochter bin des guten Königs
   Und der Kön’gin von Castillia;
Es verwünschten sieben Feen
   Mich in einer Amme Arm
Daß ich sieben Jahre wandre
   Ganz allein auf diesem Wall.
Heut’ die sieben Jahre enden,
   Bald, noch an demselben Tag

Fleh’ ich dich bei Gott, o Ritter!
   Führe mich mit dir hindann,
Wenn du wolltest, als Gemahlin,
   Wenn nicht so, als Freundin dann. –

Wartet meiner, gnäd’ge Herrin,
   Bis auf Bald, noch heut am Tag,
Gehen will ich Rath zu hohlen
   Einer Mutter, die ich hab’ –
Antwort gab ihm das Jungfräulein,
   Diese Worte zu ihm sprach:
O dem Ritter geh es übel,
   Der das Jungfräulein verlaßt. –

Er geht hin sich Rath zu hohlen,
   Und sie bleibet auf dem Wall,
Ihm den Rath gab seine Mutter,
   Er nehm’ sie zur Freundin an.
Als zurück der Ritter kehrte,
   Nimmermehr den Wall er fand,
Sah sie, wie man fort sie führte,
   Mit sehr großer Reuterschaft.

Hier der Ritter, der sie schaute,
   Auf den Boden niedersank,
Als er wieder zu sich kommen,
   Diese Worte er da sprach:
Ritter, der verlieret Solches,
   Der verdient sehr große Straf’,
Seyn werd’ ich mir selbst der Richter,
   Selbst das Urtheil ich erlaß:
Händ und Füß’ man ab mir schneide,
   Und man schleif’ mich durch die Stadt.