Friedrich Wilhelm Carové

Romanze vom Ritter Garzia

Romanze aus dem Altspanischen
übersetzt Friedrich Wilhelm Carové

Dorthin Ritter Garzia gehet
   Auf der Mauer einen Gang,
Eine Hand hält goldne Pfeile,
   Bogen hält die andre Hand;
Fluchend geht er dem Geschicke,
   Führet eifrig mit ihm Zank:
Mich von kindauf zog der König,
   Mich zum Mann hat Gott gemacht,
Gab ein Streitroß mir und Waffen,
   Durch die mehr gilt jeder Mann;
Er auch gab mir Frau Marien
   Zur Genossin, zum Gemahl,
Gab mir hundert junge Frauen
   Zu begleiten sie zumahl,
Gab das Schloß mir von Urenja,
   Daß ich Haus mit ihr dort halt’,
Gab mir hundert starke Ritter
   Zu des Schlosses Schirm und Wacht;
Er versah mir es mit Weine,
   Er mit Brod es mir versah,
Er versah’s mit süssem Wasser,
   Dessen kein’s im Schloß es gab;
Mir umringten es die Mohren
   Früh am Tage Sankt Johann,
Sieben Jahre sind vergangen,
   Lassen nicht vom Lagern ab,
Sterben ich die Meinen sehe,
   Weil nichts mehr zu geben hab’,
Stell sie, wie sie sind, bewaffnet
   Auf die Zinnen hier und da,
Daß die Mohren glauben mögen,
   Fertig seyen sie zum Kampf;
In dem Schlosse von Urenja
   Ist Nichts als ein Brod noch da,
Und wenn ich’s den Kindern gebe,
   Meinem Weib, wie geht es dann?
Ess’ ich selbst es, ich Armsel’ger,
   Dann die Mein’gen führen Klag’. –
Aus dem Brod macht er vier Stücke,
   Nach dem Königszelt sie warf,
Zu des Königs Füßen fallet
   Eines jener Stück’ hinab;
Alla zürnt auf meine Mohren,
   Alla ihnen zürnen mag,
Mit den Brosamen des Schlosses
   Sie das Königszelt versah’n! –
Die Trompete heißt er stoßen,
   Gleich sein Lager schlagen ab.