Friedrich Wilhelm Carové

Wiegenlied

Schlaf Kindlein, Kindlein süße
   In deinem Wiegelein,
Die Mutter wacht ja gerne
      Für’s liebe Kindelein.
Schläft Alles doch im Walde,
   Die Thiere groß und klein,
Das Vöglein auf dem Baume
   Im Laub das Häselein.

Schlaf, goldig Kindlein, süße
   Im warmen Wiegelein,
Im Wald ist’s kalt und trübe,
   Zu kalt für’s Kindelein;
Doch morgen, morgen frühe
   Kommt wieder Sonnenschein,
Kannst draußen wieder spielen
   Mit blau und rothen Blümlein.

Jetzt schlaf mein Kindlein süße,
   Bist ja bey Mütterlein.
Hört Bär und Wolf dich weinen,
   Dann kommen sie herein;
Den Wald sie still durchstreichen,
   Und hören sie dich schreyn,
Herbey sie langsam schleichen
   Und fressen's Kindelein!

Drum schlaf lieb’ Kindlein süße,
   Mein goldnes Herzelein!
Auch Mutter möchte schlafen,
   Thun weh die Aeugelein.
Und folgst du, will ich’s sagen
   Dem Christus Kindelein;
Bringt dir dann goldne Nüsse
   Und rothe Aepfelein!
Schlaf Kindlein, Kindlein süße!