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Das Gedicht „Das bescheidene Wünschlein“ stammt aus der Feder von Carl Spitteler.

Damals, ganz zuerst am Anfang,
wenn ich hätte sagen sollen,
was, im Fall ich wünschen dürfte,
ich mir würde wünschen wollen,
wär ich vor zu großem Reichtum
in Verlegenheit geraten,
schwankend zwischen Bilderbüchern,
Farbenschachtel, Bleisoldaten.

Später wurde mein Gelüste
kühner, deutlicher und kürzer:
Einen stolzen Namen wollt ich,
sei's als Held und Weltumstürzer,
sei's als ruhmbekränzter Feldherr
in dem Paradies der Künste,
wo die Wunderbäume blühen
und der schönen Frauen Günste.

Heute, wenn die müde Hoffnung
wieder sich zum Wunsch bequemte,
wünscht ich nur ein kindisch Wünschlein,
dessen der Verstand sich schämte:
möchte wissen, wie die Glocke,
die mich in den Schlaf gewöhnte,
damals, ganz zuerst am Anfang,
möchte wissen, wie sie tönte.

Carl Spitteler

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