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Das Gedicht „Dem Mond“ stammt aus der Feder von Rudolf von Gottschall.

Ich flüchte aus der Welt der Sonnen
In deine bleiche Schattenwelt!
Erquickung strömt, ein frischer Bronnen,
Dein Strahlenquell am Himmelszelt.
Du wanderst über fernen Gipfeln
Wie ein geheimes Sehnen hin,
Und über den verklärten Wipfeln
Schwebst du, der Blüten Königin.

Aufdringlich ist des Tages Leuchte,
Die spähend ins Verborgne schaut;
Dich grüßt die Flur, die tränenfeuchte,
Die dir ein stilles Glück vertraut,
Und wachgeküßt von nächt'gen Winden
Erschließt die scheue Blume sich;
Wenn Schatten sich zu Schatten finden,
Ergreift's die Seele heimatlich.

Ja leuchten mag den ewig Klaren
Das Taggestirn mit prächt'gem Schein
Ein ahnungsvolles Offenbaren
Quillt aus der Mondennacht allein.
Wenn zwischen Blumen unter Sternen
Der Falter durch den Dämmer schwebt,
Dann wirst du das Geheinnis lernen,
Das zwischen Erd' und Himmel webt.

Dann schmilzt und löst sich alles Feste
Und jede starre Schranke bricht;
Dann scheint das Schlimmste und das Beste
Mir nur das gleiche Traumgesicht:
Der Mächt'gen Trotz, die Not der Armen,
Der Tugend Qual, des Frevels Lust,
Und mit unendlichem Erbarmen
Erfüllt der Menschheit Los die Brust.

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