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Das Gedicht „Der alte Birnbaum“ stammt aus der Feder von Gerhart Hauptmann.

Einen tiefen Trunk aus voller Schale
vom Smaragd des Frühlings will ich trinken:
aus der blauen sonnenseligen Höhlung
morgendlichen Feuers mich berauschen.
O wie tirilierst du tausendstimmig
im Gemäße, du betörte Woge!
Schweige nicht, als Wein in mich gedrungen,
schwimmen lass in solcher Flut mein Herze!

Weich in Düfte dehnen sich die Höhen,
schwimmend in dem Silberdunst des Himmels.
Heute schweigt ihr, schweigen selige Dinge,
die der fernen Glorie angehören.
Junger Tannen gelbe Zünglein sprühen,
was vom Logos sie beglückt erfuhren.
Innig kocht es in dem Glanz der Blumen
von dem heißen Wolllust-Quell des Daseins.

Bist du da, mein tausendjähriger Birnbaum,
weiß und schwer, beglückt von Blütenlasten?
Wieviel Winter hast du überdauert,
kahl und hart! Nun quillst du süßen Frühling.
Und von einem kaum gebornen Bäumchen,
das du sätest, pflück’ ich eine Blüte,
deren Übermaß dein Haupt hervordrängt:
und sie ist nicht jünger, süßer, holder,
als von deinem greisen Haupt gebrochen.

Lasst mich trinkend in den Becher sinken,
untertauchen tief und immer tiefer
wie der Täufling in geweihter Kufe!
Himmel, schlaget über mir zusammen,
der ich blühe wie der alte Birnbaum.

Siehe auch: Herr von Ribbeck auf Ribbeck — Fontane.

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