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Das Gedicht „Der Eroberer Wurm“ stammt aus der Feder von Edgar Allan Poe.

Im Weltenraum ist Galanacht.
Im Theater sitzt gedrängt
Eine Engelschar in Festestracht,
Verschleiert, zährendurchtränkt,
Und lauscht einem wechselvollen Stück,
Wo Furcht und Hoffen sich drängt,
Dieweil im Orchester Sphärenmusik
Sich langsam hebt und senkt.

Gottähnliche Mimen murmeln leis
Den Text und kommen und gehn
Auf großer, formloser Wesen Geheiß,
Die in den Kulissen stehn,
Mit ernsten Gebärden, feierlich stumm
Die Wände schieben und drehn,
Und mit ihren Flügeln ins Publikum
Unsichtbares Leiden wehn.

Dies Drama, wechselvoll, fieberisch,
Es bleibt der Welt unverkürzt,
Mit einem scheckig bunten Gemisch
Von Tollheit und Sünde gewürzt,
Dahinter sich eitel Elend und Graus
Zum verworrenen Knoten schürzt,
Und ein Phantom sich unter Applaus
Ins leere Dunkel stürzt.

Doch sieh! eine Form aus ekler Brut
Schleicht in den Mimenknäul –
Ein kriechendes Untier, rot wie Blut,
Das sich windet und windet, dieweil
Es nach und nach die Mimen verzehrt
Unter der Opfer Geheul,
Und die Engelschar ein Schauder durchfährt
Ob der unendlichen Greu'l.

Aus sind die Lichter – ausgeweht;
Mit der Wucht eines Sturmes fällt
Der Vorhang, ein Leichentuch, sternbesät,
Über das bretterne Zelt.
Die Engel erheben sich abgespannt
Und erklären der bangen Welt,
Daß die Tragödie »Mensch« benannt
Und Eroberer »Wurm« ihr Held.

Anmerkung: Das Gedicht ist nach der klassischen Form des Dramas aufgebaut. Die Menschen ziehen ihre Bahnen, nehmen ihre Rollen ein doch am Ende steht das Untier des Todes (durch den Wurm symbolisiert). Dieser macht jedes Schauspiel zu nichte.
Der Wurm kann aber auch für den Menschen an sich stehen, der sich immer wieder wie ein Untier verhält, nur um am Ende doch als tragischer Held zu scheitern. Hier zeigt sich das große Talent von Poe für subtile Satire.

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