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Das Gedicht „Der Frühling“ stammt aus der Feder von Friedrich von Hagedorn.

Der malerische Lenz kann nichts so sinnreich bilden,
Als jene Gegenden von Hainen und Gefilden;
Der Anmut Überfluss erquickt dort Aug' und Brust:
O Licht der weiten Felder!
O Nacht der stillen Wälder!
O Vaterland der ersten Lust!

Dort läßt sich wiederum, in grünenden Trophäen,
Des Winters Untergang, der Flor des Frühlings sehen;
Sein schmeichelnder Triumph beglücket jede Flur:
Die frohen Lerchen fliegen
Und singen von den Siegen
Der täglich schöneren Natur.

Der Bach, den Eis verschloss und Sonn' und West entsiegeln,
In dem sich Luft und Baum und Hirt' und Herde spiegeln,
Befruchtet und erfrischt das aufgelebte Land.
Dort lässt sich alles sehen,
Was Flaccus in den Höhen
Des quellenreichen Tiburs fand.

Fast jeder Vogel singt; es schweigen Nord und Klage!
Wie schön verbinden sich, zum Muster guter Tage,
Die Hoffnung künft'ger Lust, der jetzige Genuss!
Ihr stolzen, güldnen Zeiten!
Sagt, ob, an Fröhlichkeiten,
Auch diese Zeit euch weichen muss.

An Reizung kann mir nichts den holden Stunden gleichen,
Da bei dem reinen Quell und in belaubten Sträuchen
Die alte Freundschaft scherzt, die junge Liebe lacht.
Am Morgen keimt die Wonne
Und steiget mit der Sonne
Und blüht auch in der kühlen Nacht.

Es spielen Luft und Laub; es spielen Wind und Bäche;
Dort duften Blum' und Gras; hier grünen Berg und Fläche;
Das muntre Landvolk tanzt; der Schäfer singt und ruht:
Die sichern Schafe weiden,
Und allgemeine Freuden
Erweitern gleichfalls mir den Mut.

Es soll den Wald ein Lied von Phyllis Ruhm erfreuen;
Den Frühling will ich ihr und sie dem Frühling weihen.
Sie sind einander gleich, an Blüt' und Lieblichkeit.
Ihr frohnen meine Triebe,
Ihr schwör' ich meine Liebe,
Für's erste bis zur Sommerszeit.

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