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Das Gedicht „Der Mensch und das Meer“ stammt aus der Feder von Charles Baudelaire.

Du freier Mensch, du liebst das Meer voll Kraft,
Dein Spiegel ist's. In seiner Wellen Mauer,
Die hoch sich türmt, wogt deiner Seele Schauer,
In dir und ihm der gleiche Abgrund klafft.

Du liebst es, zu versinken in dein Bild,
Mit Aug' und Armen willst du es umfassen,
Der eignen Seele Sturm verrinnen lassen
In seinem Klageschrei, unzähmbar wild.

Ihr beide seid von heimlich finstrer Art.
Wer taucht, o Mensch, in deine letzten Tiefen,
Wer kennt die Perlen, die verborgen schliefen,
Die Schätze, die das neidische Meer bewahrt?

Und doch bekämpft ihr euch ohn' Unterlass
Jahrtausende in mitleidlosem Streiten,
Denn ihr liebt Blut und Tod und Grausamkeiten,
O wilde Ringer, ewiger Bruderhass!

Aus dem Zyklus: Trübsinn und Vergeisterung; Übersetzung von Stefan George.

Analyse

Das Gedicht "Der Mensch und das Meer" (1861; Epoche des Symbolismus) besteht aus 4 Strophen mit je 4 Versen, die alle das Reimschema [abba] (umarmender Reim) aufweisen, mit abwechselnd betonten und unbetonten Kadenzen. Die meisten Sätze sind Hypotaxen, die am Ende des Verses enden. Es gibt aber auch vier Enjambements, von denen zwei in der zweiten Strophe vorkommen.

Inhalt / Zusammenfassung

Der erste Vierzeiler vergleicht den Menschen und das Meer. Der zweite erinnert an ihre gewaltsame Umarmung. Der dritte Vierzeiler zeigt die dunkle und unheimliche Ähnlichkeit zwischen Mensch und Meer. Der vierte unterstreicht ihren paradoxen, brudermörderischen Kampf.

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