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Das Gedicht „Der Weg“ stammt aus der Feder von Max Hayek.

Eh' ich in dieses Leben trat,
Wies mir ein Engel jegliches Geschehen:
Er ließ mich alle meine Wunden sehen
Und alle meine Missetat,
Er ließ mich alle meine Sünden wissen
Und alles Leiden, das ich tragen müsste,
Die liebeleere, hassdurchtobte Wüste,
Die Stundenzahl voll Schmerz und Finsternissen —

Auch wies er mir die trunknen Seligkeiten
Die ich, gleich einem Gott, durchfühlen würde,
Das Äthersein, darin ich ohne Bürde
Im Lichte schwebte über Dunkelheiten,
Ließ er verheißend durch das Herz mir rinnen. —
Der Liebe ungemessne Wonnen
Erschauernd bebten alle meine Sinnen
Und mich umstrahlten tausend Himmelssonnen!

Und als er so, den Weg mir vorgewiesen
Mit seinen Prächten und den Düsterkeiten,
Mit seinen Höllen und den Paradiesen,
Sprach ernst der Engel: „Willst du ihn beschreiten?“
Und langsam sagte ich nach einer Stille:
„Ich will es — ja — der Weg, er ist mein Wille!
Und alle seine Lust und Qual
Sei mir Erfüllung freigewollter Wahl!“

So trat ich in das Leben ein,
Ein Mensch, umspielt von Schein und Sein,
Dem hellen Tag, der dunklen Nacht geweiht
Und bald versunken in die Ewigkeit!

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