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Das Gedicht „Die Geisterstunde“ stammt aus der Feder von Carl Geisheim.

Hört, ihr Herren, lasst euch sagen:
Die Geisterstunde hat geschlagen!
Nachtwächter, ei! seht, wo ihr seid!
Mehr Schicklichkeit, mehr Artigkeit!
Seht ihr nicht Damen in die Runde?
Nicht nur den Herrn bringt eure Kunde,
Den Frauen auch!

O, lehrt mich doch nicht alten Brauch!
Euch, ihr Herrn, nur muss man’s sagen;
Euch nur macht’s Bekümmernis:
Frauen wissen ohnedies,
Was die Glocke hat geschlagen.

Hört, ihr Herren, lasst euch sagen:
Die Geisterstunde hat geschlagen!
Nachtwächter, ei! seht, wo ihr seid!
Mehr Schicklichkeit, mehr Artigkeit!
Für zarte Frau’n ist Geisterstunde
Zu ernste, schauerliche Kunde.
Man fürchtet sich.

Ei, seid ihr Herrn denn fürchterlich?
Frauen lieben Geisterstunden;
Euch nur Furcht und Sorge frommt,
Wenn die Geisterstunde kommt,
Euch als Geister zu bekunden.

Hört, ihr Herren, lasst euch sagen:
Die Geisterstunde hat geschlagen!
Nachtwächter, ei! seht, wo ihr seid!
Mehr Schicklichkeit, mehr Artigkeit!
Wünscht lieber doch zur Geisterstunde
Ein frohes Neujahr unsrer Runde,

Das Jahr uns hold!
So geb’ der Geist euch, was ihr wollt!
Müsst nur hübsch die Frauen fragen,
Was gebricht und was gefällt.
Horchet auf die schöne Welt,
Was die Glocke hat geschlagen!

Johann Carl Wilhelm Geisheim

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