Gedichte Gedichte

Die besten Gedichte von Eduard Mörike (1804 - 1875) - einem bedeutenden deutschen Lyriker (Epoche des Biedermeier) der Schwäbischen Schule.

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Nicht lange will ich meine Wünsche wählen,
bescheiden wünsch ich zweierlei:
Noch fünfzig solcher Tage sollst du zählen
und allemal sei ich dabei!

 

Merkts euch, ihr tränenreichen Sänger,
im Katzenjammer ruft man keine Götter!

 

Was hilft, was hilft mein Sehnen?
Geliebte, wärst du hier!
In tausend Freudetränen
Verging' die Erde mir.
Ausschnitt; zum kompletten Text: Sehnsucht.

 

»Lebe wohl« - Du fühlest nicht,
Was es heißt, dies Wort der Schmerzen;
Mit getrostem Angesicht
Sagtest du's und leichtem Herzen.

Lebe wohl! - Ach tausendmal
Hab ich mir es vorgesprochen,
Und in nimmersatter Qual
Mir das Herz damit gebrochen!

 

Gott schütze uns vor Feuer und Wind
und vor Arbeitern, die langsam sind.

 

Schelmisches Kind,
Lieb' ist wie Wind,
rasch und lebendig,
ruhet nie, ewig ist sie,
aber nicht immer beständig.

 

Böses nur sagte der Schelm von jedermann, außer von Gott nicht.
Aber wieso? Er sprach: »Selbigen kenne ich nicht.«
Quelle: Grabschrift des Pietro Aretino (aus dem Italienischen).

Im Park

Sieh, der Kastanie kindliches Laub hängt noch wie der feuchte
Flügel des Papillons, wenn er die Hülle verließ;
Aber in laulicher Nacht der kürzeste Regen entfaltet
Leise die Fächer und deckt schnelle den luftigen Gang.
– Du magst eilen, o himmlischer Frühling, oder verweilen,
Immer dem trunkenen Sinn fliehst du, ein Wunder, vorbei.

Auf ein altes Bild

In grüner Landschaft Sommerflor,
Bei kühlem Wasser, Schilf und Rohr,
Schau, wie das Knäblein Sündelos
Frei spielet auf der Jungfrau Schoß!
Und dort im Walde wonnesam,
Ach, grünet schon des Kreuzes Stamm!

Zum Neujahr

An tausend Wünsche, federleicht,
Wird sich kein Gott noch Engel kehren,
Ja, wenn es so viel Flüche wären,
Dem Teufel wären sie zu seicht.
Doch wenn ein Freund in Lieb und Treu
Dem andern den Kalender segnet,
So steht ein guter Geist dabei.
Du denkst an mich, was Liebes dir begegnet,
Ob dir′s auch ohne das beschieden sei.

Versuchung

Wenn sie in silberner Schale mit Wein uns würzet die Erdbeern,
Dicht mit Zucker noch erst streuet die Kinder des Walds:
O wie schmacht ich hinauf zu den duftigern Lippen, wie dürstet
Nach des gebogenen Arms schimmernder Weiße mein Mund!

Weihgeschenk

Von kunstfertigen Händen geschält, drei Äpfelchen, zierlich,
Hängend an einem Zweig, den noch ein Blättchen umgrünt;
Weiß wie das Wachs ihr Fleisch, von lieblicher Röte durchschimmert;
Dicht aneinandergeschmiegt, bärgen die nackten sich gern.
Schämet euch nicht, ihr Schwestern! euch hat ein Mädchen entkleidet,
Und den Chariten fromm bringet ein Sänger euch dar.

Zum Sechzigsten Geburtstag

Zum Sechzigsten fehlt nur noch eins:
In Gottes Namen immer weiter!
Nur mutig, nur gesund und heiter!
Dein Glück, Dein Leben ist auch meins.

Bei einer Trauung

Vor lauter hochadligen Zeugen
Kopuliert man ihrer zwei;
Die Orgel hängt voll Geigen,
Der Himmel nicht, mein’ Treu!
Seht doch, sie weint ja greulich,
Er macht ein Gesicht abscheulich!
Denn leider freilich, freilich
Keine Lieb’ ist nicht dabei.

Leben & Werk

Eduard Friedrich Mörike wurde in Ludwigsburg geboren. Er tratt in das Evangelische Seminar Urach, ein humanistisches Gymnasium, ein und besuchte von 1822 bis 1826 das Tübinger Stift. Dort erzielte er schlechte Noten und fiel bei der Aufnahmeprüfung für das Uracher Seminar durch, wurde aber trotzdem aufgenommen. Am Priesterseminar studierte er die klassische Philologie, die einen großen Einfluss auf sein Schreiben haben sollte, und machte die Bekanntschaft von Wilhelm Hartlaub und Wilhelm Waiblinger. Danach studierte er Theologie am Tübinger Priesterseminar, wo er Ludwig Bauer, David Friedrich Strauß und Friedrich Theodor Vischer kennenlernte. Viele dieser Freundschaften waren von Dauer. In Tübingen dichtete er mit Bauer das Märchenland Orplid - siehe das Gedicht Gesang Weylas (Du bist Orplid) aus dem Jahr 1831.

Mörike wurde lutherischer Pfarrer und wurde 1834 zum Vikar von Cleversulzbach bei Weinsberg ernannt. Aus gesundheitlichen Gründen zog sich Mörike recht früh zurück und wurde 1851 Professor für deutsche Literatur am Katharinenstift in Stuttgart. Dieses Amt hatte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1866 inne. Er lebte bis zu seinem Tod weiterhin in Stuttgart.

Werk

Mörike war Mitglied der sogenannten Schwäbische Dichterschule um Justinus Kerner und Ludwig Uhland. Seine Gedichte sind meist lyrisch, oft aber auch humorvoll und in einfachem, scheinbar alltäglichem Deutsch geschrieben. Seine Ballade "Schön Rotraut" - beginnend mit der Zeile "Wie heißt König Ringangs Töchterlein?" - wurde zu einem Volkslied.

Sein erstes veröffentlichtes Werk war die Novelle "Maler Nolten" (1832), eine Erzählung über das Leben eines Malers, die seine Vorstellungskraft offenbarte; sie wurde recht populär. Die Novelle "Mozart auf der Reise nach Prag" (1856) war eine humorvolle Auseinandersetzung mit den Problemen von Künstlern in einer kunstfeindlichen Welt. Es wird häufig als sein bestes Werk bezeichnet. Er schrieb auch eine etwas phantastische "Idylle vom Bodensee oder Fischer Martin" und die Glockendiebe (1846), das Märchen "Das Stuttgarter Hutzelmännlein" (1855), und veröffentlichte eine Sammlung von Hymnen, Oden, Elegien und Idyllen der Griechen und Römer mit dem Titel "Klassische Blumenlese" (1840). Er übersetzte auch Anakreon und Theokrit ins Deutsche.

Sein Werk wurde von dem Philosophen Ludwig Wittgenstein (siehe auch seine Zitate) sehr gelobt, der ihn seinem Lehrer Bertrand Russell (siehe auch seine Zitate) empfahl als "wirklich ein großer Dichter und seine Gedichte gehören zum Besten, was wir haben ... die Schönheit von Mörikes Werk ist sehr eng mit der von Goethe verwandt".

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: