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Die besten Gedichte von Emanuel Geibel (1815 -1884) - einem deutschen Lyriker (Epoche der Klassik und Romantik).

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Der Maulwurf hört in seinem Loch
Ein Lerchenlied erklingen
Und spricht: "Wie sinnlos ist es doch,
Zu fliegen und zu singen!"

 

Die Zeit ist wie ein Bild von Mosaik;
Zu nah beschaut, verwirrt es nur den Blick;
Willst du des Ganzen Art und Sinn verstehn,
So musst du's, Freund, aus rechter Ferne sehn.

 

Süß ist’s, den Reiz der Welt zu saugen,
Wenn Herz und Sinn in Blüte stehn,
Doch süßer noch, mit deines Kindes Augen,
Die Welt noch einmal frisch zu sehn.

 

Liebe, die von Herzen liebt,
Ist am reichsten, wenn sie gibt;
Liebe, die von Opfern spricht,
Ist schon rechte Liebe nicht.

 

Das ist die rechte Ehe,
wo Zweie sich geeint,
durch alles Glück und Wehe
zu pilgern treu vereint.
Der eine Stab des andern,
und liebe Last zugleich,
gemeinsam Rast und Wandern,
und Ziel das Himmelreich.

 

Klug ist, wer stets zur rechten Stunde kommt,
doch klüger, wer zu gehen weiß, wenn es frommt.

 

Die Liebe gleicht dem April:
Bald Frost, bald fröhliche Strahlen,
Bald Blüten in Herzen und Talen,
Bald stürmisch und bald still,
Bald heimliches Ringen und Dehnen,
Bald Wolken, Regen und Tränen -
Im ewigen Schwanken und Sehnen
Wer weiß, was werden will!

Weitere kurze Gedichte

Leben & Werk

Franz Emanuel August Geibel wurde in Lübeck als Sohn eines Pastors geboren. Ursprünglich war er für den Beruf seines Vaters vorgesehen und studierte in Bonn und Berlin, aber sein eigentliches Interesse galt nicht der Theologie, sondern der klassischen und romanischen Philologie. 1838 nahm er eine Hauslehrerstelle in Athen an, wo er bis 1840 blieb. Im selben Jahr veröffentlichte er zusammen mit seinem Freund Ernst Curtius einen Band mit Übersetzungen aus dem Griechischen. Seine ersten Gedichte wurden 1841 in einem Band mit dem Titel Zeitstimmen veröffentlicht. 1842 trat er in den Dienst von Friedrich Wilhelm IV., dem König von Preußen, mit einem jährlichen Stipendium von 300 Thalern; unter ihm entstanden König Roderich (1843), eine Tragödie, König Sigurds Brautfahrt (1846), ein Epos, und Juniuslieder (1848), Lyrik in einem temperamentvolleren und männlicheren Stil als seine frühen Gedichte.

1851 wurde Geibel von Maximilian II. von Bayern als Honorarprofessor an die Universität München eingeladen und verzichtete auf sein preußisches Stipendium. Während seiner Zeit in München stand er im Zentrum des literarischen Zirkels "Die Krokodile", der sich mit traditionellen Formen beschäftigte. Im Jahr 1852 heiratete er Amanda Trummer und im nächsten Jahr bekamen sie eine Tochter, Ada Marie Caroline. 1857 erschien in München ein Band mit Neuen Gedichten, die hauptsächlich aus Gedichten über klassische Themen bestanden und einen weiteren erheblichen Fortschritt in seiner Sachlichkeit darstellten. Die Reihe wurde mit den Spätherbstblättern, die 1877 erschienen, würdig abgeschlossen. 1869 hatte er München verlassen und war nach Lübeck zurückgekehrt, wo er bis zu seinem Tod blieb.

Zu seinen weiteren Werken gehören zwei Tragödien, Brunhild (1858, 5. Aufl. 1890) und Sophonisbe (1869), sowie Übersetzungen französischer und spanischer Volksdichtung (Spanisches Liederbuch (1852), mit Paul Heyse). Als Mitglied der Gruppe politischer Dichter, die die Revolution von 1848 einläuteten, war Geibel auch der Hauptdichter, der die Gründung des Kaiserreichs 1871 begrüßte. Seine Stärke lag jedoch nicht in den politischen Liedern, sondern in der reinen Lyrik, wie dem schönen Zyklus Ada und den populären Liebesliedern. Er kann als der führende Vertreter der deutschen Lyrik zwischen 1848 und 1870 angesehen werden.

Johannes Brahms vertonte eine seiner Paraphrasen nach spanischer Lyrik im zweiten seiner Zwei Lieder für Gesang, Viola und Klavier. Auch die österreichische Komponistin Julie Waldburg-Wurzach vertonte mindestens eines seiner Gedichte.

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: