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Das Gedicht „Frühling“ stammt aus der Feder von Heinrich Seidel.

I.

Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!«

Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!«

Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
»Der Frühling, der Frühling!« — da wusst′ ich genug!

II.

O wie schnell bist du gekommen,
Hast die Welt du hingenommen,
Neuer Klang, und neuer Duft!
Alter, schöner Zeiten Mahnung,
Neuen Glückes holde Ahnung
Schwebt nun in der sanften Luft.

Welch ein Grünen nah und ferne,
Welche Fälle goldner Sterne,
Welch ein Blühn an Busch und Baum.’
Bienensummen in den Düften,
Lerchenklang aus hohen Lüften!
Und ich wandle wie im Traum

Schöne Tage, die entschwunden,
Ach, ihr holden Frühlingsstunden,
O, wie liegt ihr doch so weit!
Seid ihr ewig mir genommen?
Werdet ihr nicht wiederkommen
Nun in dieser goldnen Zeit?!

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