Johann Karl Wilhelm Geisheim

Ohne Larve

Freunde, wollt ihr Fasching halten,
Eine Larve braucht ihr nicht;
Zeigt die eigenen Gestalten,
Zeigt das eigne Angesicht.
Seine Larve trägt ein Jeder
Trugsam gern zu jeder Zeit;
’runter mit dem Afterleder,
Zeigt euch heute, wie ihr seid.

Zeigt uns, was an euch wir haben,
Ohne Mummerei und Trug;
Eure freien, eignen Gaben
Sind, uns zu erfreu’n, genug.
Schmücke, Geist, uns, schmücke Liebe
Freundlich unsern Faschingsschmaus.
An wem Nichts zu lieben bliebe,
Nun, der schleiche still hinaus.

Steht die Kunst, sich zu verkappen,
Bei der Raupenwelt in Gunst:
Zu verschmähn des Scheines Lappen,
Freunde, das sei unsre Kunst.
Die uns draußen gern belügen
Durch der Thorheit Mummerei’n,
Sollen heut uns nicht betrügen,
Sollen unsre Narren sein.

Guten Muths, gutmüthig lachen
Heute wir zum Faschingsschmaus
Alle, die zu Narr’n sich machen,
Also wohl uns selber aus.
Denn wir sind die wahren Narren,
Wenn wir selbst uns nicht verstehn,
Wenn in Kappen wir und Sparren,
Selbst uns täuschend, untergehn.

Drum betrachtet euch im Glase;
Drinn ja soll die Wahrheit sein!
Senkt hinein die stolze Nase,
Spiegelt euch im klaren Wein.
Gucket aus der heitern Quelle
Euch des Herzens Närrchen an,
Eingeständig seiner Schelle,
Lache Jeder, was er kann!