Johann Karl Wilhelm Geisheim

Der Faschingsmantel

Die Mutter Fasching lob’ ich mir;
’s ist eine kluge Frau;
Sie steckt der Zeit ein Lärvchen für,
Daß man die Nacht nicht schau’,
Und hänget um den Klagenden
Ein buntes, frohes Mäntelchen.

Sie setzt ein Schellenkäppchen dir
Auf deinen Grillenkopf;
Das ist ein Deckel nach Gebühr
Für deinen Klagentopf.
Die Kappe sagt dir, wer du bist,
Wenn dich die Welt zu sehr verdrießt.

Sie ruft das große Narrenhaus,
Die Welt, zur lauten Lust;
Sie lockt den Narren schlau heraus
Aus deiner engen Brust.
Viel besser, daß die Welt ihn schmeckt,
Als daß er ewig drinnen steckt.

Da geht sie hin mit leichtem Sinn,
Kennt heute nicht den Harm,
Und dreht als flotte Tänzerin
Sich in des Nächsten Arm;
Und bei Trompet und Paukenschall
Wird ihr die Erd’ ein Freudenball.

Seht, was sie aufgeschroten hat
An Schmauseglück und Wein.
Trink, spricht sie, Welt, und iß dich satt,
Heut sollst du fröhlich sein.
Und macht den Diensttag ihr so fett,
Als wenn sie was verdienet hätt’.

Ihr macht die Welt euch fast zur Nacht,
Und fastet an dem Quell,
Doch unsre Mutter Fasching macht
Die Nacht euch tageshell.
Wohl dem, der so viel Licht behält,
Daß auf dem Heimweg’ er nicht fällt.

So lernt von ihr denn fröhlich sein,
Daß es dem Leben frommt;
Doch fastet froh auch hinterdrein,
Wenn Aschermittwoch kommt.
Und, dünkt die Welt euch schlecht und dumm,
Hängt ihr den Faschingsmantel um.