Johann Karl Wilhelm Geisheim

Der Wintergarten

Die Nächte wurden länger,
Die Gartenlust war aus;
Die Fluren wurden bänger,
Wir floh’n in’s Winterhaus.

Da hab’ ich einen Garten
Im Hause längst gesehn,
Drinn Blumen aller Arten
Bei grünen Bäumen stehn.

Dort war es wie im Lenze,
Wenn Blüth’ und Blatt sich regt,
Und lust’ger Vögel Tänze
Den Lerchenschlag bewegt.

Wie Abendlicht die Bäume
Durchblitzt und golden mahlt,
Vom Glanz’ der Frühlingsträume
Sah ich mich dort umstrahlt.

Fort war des Ernstes Schwere,
Nur lenzig war mein Sinn;
Bald hüpft’ ich mit, als wäre
Der Kuckuck ich darinn.

Denn wißt, der Frühlingsgarten
Den ich vermeint’ zu schau’n,
Die Blumen aller Arten
Sind unsre lieben Frau’n.

Den Traum der Frühlingslichter
Weckt schöner Augen Glanz;
Die fröhlichen Gesichter
Sind Laub und Blumenkranz.

Laßt uns der Blumen warten,
Und ihres Schmucks uns freu’n
Und in dem Wintergarten
Recht oft den Lenz erneu’n.