Johann Karl Wilhelm Geisheim

Zum neuen Jahre nach alter Weise

Liebes Neujahr, weißt du was?
Komm und kränze Geist und Glas.
Ist drinn Wein, soll’s lieb uns sein,
Ist drinn Wasser, mach’s zu Wein.

Solche Wunder mußt du thun,
Sollen alle Klagen ruhn;
Lehr’ die Welt, wie Heiterkeit
Meister wird der schlechten Zeit.

Sei, wie Jungfer Lieschen, hold,
Nimm uns All’ in Minnesold;
Lache doch, wenn’s Schicksal spricht:
Sieh mich an, und lache nicht.

Wer ’ne Jungfer Lieschen hat,
Kriege nie ihr Mäulchen satt;
Deine Mutter Lies’ auch sei
Lieb und hold dir, wie der Mai.

Sehn wir in die Zeit hinaus,
Ziehe nicht die Stirn sich kraus.
Neu bald kommt das grüne Gras,
Lieschen, klingt’s dann, weißt du was?

Drum, dieweil ihr’s annoch singt,
Und wohl auch manch Glas euch klingt,
Haltet grün der Hoffnung Muth
Seid der Welt, den Menschen gut

Arges viel klebt freilich d’ran;
Beßre d’ran, wer bessern kann.
Thäte jeder Tadler recht,
Um die Welt dann ständ’s nicht schlecht.

Macht euch doch das Leben leicht,
Freundlich euch die Hände reicht,
Hänschen, Lieschen, wißt ihr was,
Eh’ euch deckt das grüne Gras.