Paul Gerhardt

Passions-Salve an die leidenden Glieder Christi

1. An die Füße
(Salve, mundi salutare)

Sei mir tausendmal gegrüßet,
Der mich je und je geliebt,
Jesu, der du selbst gebüßet
Das, womit ich dich betrübt.
Ach, wie ist mir doch so wohl,
Wenn ich knien und liegen soll
An dem Kreuze, da du stirbest
Und um meine Seele wirbest.

Ich umfange, herz und küsse
Der gekränkten Wunden Zahl
Und die purpurroten Flüsse,
Deine Füß' und Nägelmal.
O, wer kann doch, schönster Fürst,
Den so hoch nach uns gedürst't,
Deinen Durst und Liebsverlangen
Völlig fassen und umfangen?

Heile mich, o Heil der Seelen,
Wo ich krank und traurig bin;
Nimm die Schmerzen, die mich quälen,
Und den ganzen Schaden hin,
Den mir Adams Fall gebracht
Und ich selbsten mir gemacht.
Wird, o Arzt, dein Blut mich netzen,
Wird sich all mein Jammer setzen.

Schreibe deine blutgen Wunden
Mir, Herr, in das Herz hinein,
Daß sie mögen alle Stunden
Bei mir unvergessen sein.
Du bist doch mein liebstes Gut,
Da mein ganzes Herze ruht.
Laß mich hie zu deinen Füßen
Deiner Lieb und Gunst genießen.

Diese Füße will ich halten
Auf das best ich immer kann;
Schaue meiner Hände Falten
Und mich selbsten freundlich an
Von dem hohen Kreuzesbaum
Und gib meiner Bitte Raum,
Sprich: Laß all dein Trauern schwinden,
Ich, ich tilg all deine Sünden.


2. An die Knie
(Salve Jesu, rex sanctorum)

Gegrüßet seist du, meine Kron
Und König aller Frommen,
Der du zum Trost von deinem Thron
Uns armen Sündern kommen!
O wahrer Mensch, o wahrer Gott,
O Helfer, voller Hohn und Spott,
Den du doch nicht verschuldest!
Ach, wie so arm, wie nackt und bloß
Hängst du am Kreuz, wie schwer und groß
Ist dein Schmerz, den du duldest.

Es fleußet deines Blutes Bach
Mit ganzem vollem Haufen,
Dein Leib ist auch mit Ungemach
Ganz durch und durch belaufen.
O ungeschränkte Majestät,
Wie kommts, daß dirs so kläglich geht?
Das macht dein Huld und Treue.
Wer dankt dir des? Wo ist der Mann,
Der sich, wie du für uns getan,
Für dich zu sterben freue?

Was soll ich dir doch immermehr,
O Liebster, dafür geben,
Daß dein Herz sich so hoch und sehr
Bemüht hat um mein Leben?
Du rettest mich durch deinen Tod
Von mehr als eines Todes Not
Und machst mich sicher wohnen.
Laß Höll und Teufel böse sein,
Was schad'ts? sie müssen dennoch mein
Und meiner Seele schonen.

Vor großer Lieb und heilger Lust,
Damit du mich erfüllet,
So wird mein Leid gestillet,
Drück ich dich an mein Herz und Brust,
Das deinen Augen wohlbekannt.
Und das ist dir ja keine Schand,
Ein krankes Herz zu laben.
Ach bleib mir hold und gutes Muts,
Bis mich die Ströme deines Bluts
Ganz rein gewaschen haben.

Sei du mein Schatz und höchste Freud,
Ich will dein Diener bleiben,
Und deines Kreuzes Herzeleid
Will ich in mein Herz schreiben.
Verleihe du nur Kraft und Macht,
Damit, was ich bei mir bedacht,
Ich mög ins Werk auch setzen;
So wirst du, Schönster, meinen Sinn
Und alles, was ich hab und bin,
Ohn Unterlaß ergötzen.


3. An die Hände
(Salve Jesu, pastor bone)

Sei wohl gegrüßet, guter Hirt,
Und ihr, o heilgen Hände
Voll Rosen, die man preisen wird
Bis an des Himmels Ende.
Die Rosen, die
Ich mein allhie,
Sind deine Mal und Plagen,
Die dir am End
In deine Händ
Am Kreuze sind geschlagen.

Du zahlst mit beiden Händen dar
Die edlen roten Gulden
Und bringst die ganze Menschenschar
Dadurch aus allen Schulden.
Ach laß von mir,
O Liebster, dir
Dies' Hände herzlich drücken
Und mit dem Blut,
Das mir zugut
Vergossen, mich erquicken.

Wie freundlich tust du dich doch zu
Und greifst mit beiden Armen
Nach aller Welt, in Lieb und Ruh
Uns ewig zu erwarmen.
Ach Herr, sieh hier,
Mit was Begier
Ich Armer zu dir trete!
Sei mir bereit
Und gib mir Freud
Und Trost, darum ich bete.

Zeuch allen meinen Geist und Sinn
Nach dir und deiner Höhe!
Gib, daß mein Herz nur immerhin
Nach deinem Kreuze stehe,
Ja daß ich mich
Selbst williglich
Mit dir ans Kreuze binde!
Und mehr und mehr
Töt und zerstör
In mir des Fleisches Sünde.

Ich herz und küsse wiederum
Aus rechtem treuen Herzen,
Herr, deine Händ und sage Ruhm
Und Dank für ihren Schmerzen;
Darneben geb
Ich, weil ich leb,
In diese deine Hände
Herz, Seel und Leib,
Und also bleib
Ich dein bis an mein Ende.


4. An die Seite
(Salve Jesu, summe bonus)

Ich grüße dich, du frömmster Mann,
Der herzlich gern vergibet,
Wie schmerzlich weh wird dir getan,
Wie wird dein Leib betrübet!
Es grüßet dich mein ganzer Geist,
Du meines Heilands Seite,
Du edler Quell, aus welchem fleußt
Das Blut, das so viel Leute
Von ihren Sünden wäschet.

Ich mach, Herr Jesu, mich zu dir,
Ach, halt mirs ja zugute,
Und laß mich suchen Trost für mir
In deiner Wunden Blute!
Du werte Wunde, sei gegrüßt,
Du weites Tor der Gnaden,
Daraus sich Blut und Wasser gießt
Und da all unserm Schaden
Kann abgeholfen werden.

Du räuchst mir süßer als der Wein
Und heilst das Gift der Schlangen,
Du flößest mir das Leben ein
Und stillst des Dursts Verlangen:
Eröffne dich, du liebe Wund,
Und laß mein Herze trinken!
Ists möglich, laß mich gar zu Grund
In dir gehn und versinken,
So werd ich mich recht laben.

Mein Mund streckt sich mit aller Kraft,
Damit er dich berühre
Und ich den teuren Lebenssaft
In Mark und Beinen spüre.
Ach wie so süße bist du doch,
Herr Jesu, meinem Herzen!
Wer dich recht liebt, dem wird das Joch
Der bittern Todesschmerzen
Gleich als wie lauter Zucker.

Verbirge mich und schleuß mich ein
In deiner Seiten Höhle!
Hier laß mich still und sicher sein,
Hier wärme meine Seele,
Wann mich der kalte Tod befällt,
Und wann der höllsche Leue
Nach mir und meinem Geiste stellt,
So laß in deiner Treue
Mich dann fein ruhig bleiben.


5. An die Brust
(Salve, salus mea, Deus)

Gegrüßet seist du, Gott mein Heil,
Mein Auge, Lieb und schönstes Teil,
Gegrüßet seist du, werte Brust,
Du Gottessohn, du Menschenlust,
Du Träger aller Bürd und Last,
Du aller Müden Ruh und Rast.

Mein Jesu, neige dich zu mir
Mit deiner Brust, damit von dir
Mein Herz in deiner Lieb entbrenn
Und von der ganzen Welt sich trenn.
Halt Herz und Brust in Andacht reich
Und mich ganz deinem Willen gleich.

Mach, Herr, durch deines Herzens Quell
Mein Herz von Unflat rein und hell!
Der du bist Gottes Glanz und Bild
Und aller Armen Trost und Schild,
Teil aus den Schätzen deiner Gnad
Auch mir mit Gnade, Rat und Tat.

O süße Brust, tu mir die Gunst
Und fülle mich mit deiner Brunst!
Du bist der Weisheit tiefer Grund,
Dich lobt und singt der Engel Mund,
Aus dir entspringt die edle Frucht,
Die dein Johannes bei dir sucht.

In dir wohnt alle Gottesfüll,
Hast alles, was ich wünsch und will,
Du bist das rechte Gotteshaus,
Drum, wann zur Welt ich muß hinaus,
So schließ mich treulich in dir ein
Und laß mich ewig bei dir sein.


6. An das Herz
(Summi regis cor aveto)

O Herz des Königs aller Welt,
Des Herrschers in dem Himmelszelt,
Dich grüßt mein Herz in Freuden.
Mein Herze, wie dir wohl bewußt,
Hat seine größt und höchste Lust
An dir und deinem Leiden.
Ach, wie bezwang und drang dich doch
Dein edle Lieb, ins bittre Joch
Der Schmerzen dich zu geben,
Da du dich neigtest in den Tod,
Zu retten aus der Todesnot
Mich und mein armes Leben.

O Tod, du fremder Erdengast,
Wie warst du so ein herbe Last
Dem allersüß'sten Herzen!
Dich hat ein Weib der Welt gebracht,
Und machst dem, der die Welt gemacht,
So unerhörte Schmerzen!
Du meines Herzens Herz und Sinn,
Du brichst und fällst und stirbst dahin,
Wollst mir ein Wort gewähren:
Ergreif mein Herz und schleuß es ein
In dir und deiner Liebe Schrein.
Mehr will ich nicht begehren.

Mein Herz ist kalt, hart und betört
Von allem, was zur Welt gehört,
Fragt nur nach eitlen Sachen,
Drum, herzes Herze, bitt ich dich,
Du wollest dies mein Herz und mich
Warm, weich und sauber machen.
Laß deine Flamm und starke Glut
Durch all mein Herze, Geist und Mut
Mit allen Kräften dringen;
Laß deine Lieb und Freundlichkeit
Zur Gegenlieb und Dankbarkeit
Mich armen Sünder bringen.

Erweitre dich, mach alles voll!
Sei meine Ros und riech mir wohl,
Bring Herz und Herz zusammen,
Entzünde mich durch dich und laß
Mein Herz ohn End und alle Maß
In deiner Liebe flammen!
Wer dieses hat, wie wohl ist dem;
In dir beruhn ist angenehm,
Ach, niemand kanns gnug sagen.
Wer dich recht liebt, ergibt sich frei,
In deiner Lieb und süßen Treu
Auch wohl den Tod zu tragen.

Ich ruf aus aller Herzensmacht
Dich, Herz, in dem mein Herz erwacht,
Ach laß dich doch errufen!
Komm, beug und neige dich zu mir
An meines Herzens arme Tür
Und zeuch mich auf die Stufen
Der Andacht und der Freudigkeit,
Gib, daß mein Herz in Lieb und Leid
Dein eigen sei und bleibe,
Daß dir es dien an allem Ort
Und dir zu Ehren immerfort
All seine Zeit vertreibe.

O Herzensros', o schönste Blum!
Ach, wie so köstlich ist dein Ruhm,
Du bist nicht auszupreisen.
Eröffne dich, laß deinen Saft
Und des Geruchs erhöhte Kraft
Mein Herz und Seele speisen!
Dein Herz, Herr Jesu, ist verwundt,
Ach tritt zu mir in meinen Bund
Und gib mir deinen Orden!
Verwund auch mich, o süßes Heil,
Und triff mein Herz mit deinem Pfeil,
Wie du verwundet worden.

Nimm mein Herz, o mein höchstes Gut,
Und leg es hin, wo dein Herz ruht,
Da ists wohl aufgehoben.
Da gehts mit dir gleich als zum Tanz,
Da lobt es deines Hauses Glanz
Und kanns doch nicht gnug loben.
Hier setzt sichs, hier gefällts ihm wohl,
Hier freut sichs, daß es bleiben soll.
Erfüll, Herr, meinen Willen!
Und weil mein Herz dein Herze liebt,
So laß auch, wie dein Recht es gibt,
Dein Herz mein Herze stillen.


7. An das Angesicht
(Salve caput cruentatum)

O Haupt voll Blut und Wunden,
Voll Schmerz und voller Hohn,
O Haupt, zu Spott gebunden
Mit einer Dornenkron!
O Haupt, sonst schön gezieret
Mit höchster Ehr und Zier,
Jetzt aber hoch schimpfieret,
Gegrüßet seist du mir!

Du edles Angesichte,
Davor sonst schrickt und scheut
Das große Weltgewichte,
Wie bist du so bespeit,
Wie bist du so erbleichet,
Wer hat dein Augenlicht,
Dem sonst kein Licht nicht gleichet,
So schändlich zugericht?

Die Farbe deiner Wangen,
Der roten Lippen Pracht
Ist hin und ganz vergangen,
Des blassen Todes Macht
Hat alles hingenommen,
Hat alles hingerafft,
Und daher bist du kommen
Von deines Leibes Kraft.

Nun, was du, Herr, erduldet,
Ist alles meine Last,
Ich hab es selbst verschuldet,
Was du getragen hast!
Schau her, hier steh ich Armer,
Der Zorn verdienet hat,
Gib mir, o mein Erbarmer,
Den Anblick deiner Gnad.

Erkenne mich, mein Hüter;
Mein Hirte, nimm mich an!
Von dir, Quell aller Güter,
Ist mir viel Guts getan.
Dein Mund hat mich gelabet
Mit Milch und süßer Kost;
Dein Geist hat mich begabet
Mit mancher Himmelslust.

Ich will hier bei dir stehen,
Verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
Wann dir dein Herze bricht.
Wann dein Haupt wird erblassen
Im letzten Todesstoß,
Alsdann will ich dich fassen
In meinen Arm und Schoß.

Es dient zu meinen Freuden
Und kommt mir herzlich wohl,
Wenn ich in deinem Leiden,
Mein Heil, mich finden soll.
Ach, möcht ich, o mein Leben,
An deinem Kreuze hier
Mein Leben von mir geben,
Wie wohl geschähe mir!

Ich danke dir von Herzen,
O Jesu, liebster Freund,
Für deines Todes Schmerzen,
Da du's so gut gemeint.
Ach gib, daß ich mich halte
Zu dir und deiner Treu
Und, wenn ich nun erkalte,
In dir mein Ende sei.

Wenn ich einmal soll scheiden,
So scheide nicht von mir;
Wenn ich den Tod soll leiden,
So tritt du dann herfür.
Wenn mir am allerbängsten
Wird um das Herze sein,
So reiß mich aus den Ängsten
Kraft deiner Angst und Pein.

Erscheine mir zum Schilde,
Zum Trost in meinem Tod
Und laß mich sehn dein Bilde
In deiner Kreuzesnot.
Da will ich nach dir blicken,
Da will ich glaubensvoll
Dich fest an mein Herz drücken.
Wer so stirbt, der stirbt wohl.

1. An die Füße
(Salve, mundi salutare)

Sei mir tausendmal gegrüßet,
Der mich je und je geliebt,
Jesu, der du selbst gebüßet
Das, womit ich dich betrübt.
Ach, wie ist mir doch so wohl,
Wenn ich knien und liegen soll
An dem Kreuze, da du stirbest
Und um meine Seele wirbest.

Ich umfange, herz und küsse
Der gekränkten Wunden Zahl
Und die purpurroten Flüsse,
Deine Füß' und Nägelmal.
O, wer kann doch, schönster Fürst,
Den so hoch nach uns gedürst't,
Deinen Durst und Liebsverlangen
Völlig fassen und umfangen?

Heile mich, o Heil der Seelen,
Wo ich krank und traurig bin;
Nimm die Schmerzen, die mich quälen,
Und den ganzen Schaden hin,
Den mir Adams Fall gebracht
Und ich selbsten mir gemacht.
Wird, o Arzt, dein Blut mich netzen,
Wird sich all mein Jammer setzen.

Schreibe deine blutgen Wunden
Mir, Herr, in das Herz hinein,
Daß sie mögen alle Stunden
Bei mir unvergessen sein.
Du bist doch mein liebstes Gut,
Da mein ganzes Herze ruht.
Laß mich hie zu deinen Füßen
Deiner Lieb und Gunst genießen.

Diese Füße will ich halten
Auf das best ich immer kann;
Schaue meiner Hände Falten
Und mich selbsten freundlich an
Von dem hohen Kreuzesbaum
Und gib meiner Bitte Raum,
Sprich: Laß all dein Trauern schwinden,
Ich, ich tilg all deine Sünden.


2. An die Knie
(Salve Jesu, rex sanctorum)

Gegrüßet seist du, meine Kron
Und König aller Frommen,
Der du zum Trost von deinem Thron
Uns armen Sündern kommen!
O wahrer Mensch, o wahrer Gott,
O Helfer, voller Hohn und Spott,
Den du doch nicht verschuldest!
Ach, wie so arm, wie nackt und bloß
Hängst du am Kreuz, wie schwer und groß
Ist dein Schmerz, den du duldest.

Es fleußet deines Blutes Bach
Mit ganzem vollem Haufen,
Dein Leib ist auch mit Ungemach
Ganz durch und durch belaufen.
O ungeschränkte Majestät,
Wie kommts, daß dirs so kläglich geht?
Das macht dein Huld und Treue.
Wer dankt dir des? Wo ist der Mann,
Der sich, wie du für uns getan,
Für dich zu sterben freue?

Was soll ich dir doch immermehr,
O Liebster, dafür geben,
Daß dein Herz sich so hoch und sehr
Bemüht hat um mein Leben?
Du rettest mich durch deinen Tod
Von mehr als eines Todes Not
Und machst mich sicher wohnen.
Laß Höll und Teufel böse sein,
Was schad'ts? sie müssen dennoch mein
Und meiner Seele schonen.

Vor großer Lieb und heilger Lust,
Damit du mich erfüllet,
So wird mein Leid gestillet,
Drück ich dich an mein Herz und Brust,
Das deinen Augen wohlbekannt.
Und das ist dir ja keine Schand,
Ein krankes Herz zu laben.
Ach bleib mir hold und gutes Muts,
Bis mich die Ströme deines Bluts
Ganz rein gewaschen haben.

Sei du mein Schatz und höchste Freud,
Ich will dein Diener bleiben,
Und deines Kreuzes Herzeleid
Will ich in mein Herz schreiben.
Verleihe du nur Kraft und Macht,
Damit, was ich bei mir bedacht,
Ich mög ins Werk auch setzen;
So wirst du, Schönster, meinen Sinn
Und alles, was ich hab und bin,
Ohn Unterlaß ergötzen.


3. An die Hände
(Salve Jesu, pastor bone)

Sei wohl gegrüßet, guter Hirt,
Und ihr, o heilgen Hände
Voll Rosen, die man preisen wird
Bis an des Himmels Ende.
Die Rosen, die
Ich mein allhie,
Sind deine Mal und Plagen,
Die dir am End
In deine Händ
Am Kreuze sind geschlagen.

Du zahlst mit beiden Händen dar
Die edlen roten Gulden
Und bringst die ganze Menschenschar
Dadurch aus allen Schulden.
Ach laß von mir,
O Liebster, dir
Dies' Hände herzlich drücken
Und mit dem Blut,
Das mir zugut
Vergossen, mich erquicken.

Wie freundlich tust du dich doch zu
Und greifst mit beiden Armen
Nach aller Welt, in Lieb und Ruh
Uns ewig zu erwarmen.
Ach Herr, sieh hier,
Mit was Begier
Ich Armer zu dir trete!
Sei mir bereit
Und gib mir Freud
Und Trost, darum ich bete.

Zeuch allen meinen Geist und Sinn
Nach dir und deiner Höhe!
Gib, daß mein Herz nur immerhin
Nach deinem Kreuze stehe,
Ja daß ich mich
Selbst williglich
Mit dir ans Kreuze binde!
Und mehr und mehr
Töt und zerstör
In mir des Fleisches Sünde.

Ich herz und küsse wiederum
Aus rechtem treuen Herzen,
Herr, deine Händ und sage Ruhm
Und Dank für ihren Schmerzen;
Darneben geb
Ich, weil ich leb,
In diese deine Hände
Herz, Seel und Leib,
Und also bleib
Ich dein bis an mein Ende.


4. An die Seite
(Salve Jesu, summe bonus)

Ich grüße dich, du frömmster Mann,
Der herzlich gern vergibet,
Wie schmerzlich weh wird dir getan,
Wie wird dein Leib betrübet!
Es grüßet dich mein ganzer Geist,
Du meines Heilands Seite,
Du edler Quell, aus welchem fleußt
Das Blut, das so viel Leute
Von ihren Sünden wäschet.

Ich mach, Herr Jesu, mich zu dir,
Ach, halt mirs ja zugute,
Und laß mich suchen Trost für mir
In deiner Wunden Blute!
Du werte Wunde, sei gegrüßt,
Du weites Tor der Gnaden,
Daraus sich Blut und Wasser gießt
Und da all unserm Schaden
Kann abgeholfen werden.

Du räuchst mir süßer als der Wein
Und heilst das Gift der Schlangen,
Du flößest mir das Leben ein
Und stillst des Dursts Verlangen:
Eröffne dich, du liebe Wund,
Und laß mein Herze trinken!
Ists möglich, laß mich gar zu Grund
In dir gehn und versinken,
So werd ich mich recht laben.

Mein Mund streckt sich mit aller Kraft,
Damit er dich berühre
Und ich den teuren Lebenssaft
In Mark und Beinen spüre.
Ach wie so süße bist du doch,
Herr Jesu, meinem Herzen!
Wer dich recht liebt, dem wird das Joch
Der bittern Todesschmerzen
Gleich als wie lauter Zucker.

Verbirge mich und schleuß mich ein
In deiner Seiten Höhle!
Hier laß mich still und sicher sein,
Hier wärme meine Seele,
Wann mich der kalte Tod befällt,
Und wann der höllsche Leue
Nach mir und meinem Geiste stellt,
So laß in deiner Treue
Mich dann fein ruhig bleiben.


5. An die Brust
(Salve, salus mea, Deus)

Gegrüßet seist du, Gott mein Heil,
Mein Auge, Lieb und schönstes Teil,
Gegrüßet seist du, werte Brust,
Du Gottessohn, du Menschenlust,
Du Träger aller Bürd und Last,
Du aller Müden Ruh und Rast.

Mein Jesu, neige dich zu mir
Mit deiner Brust, damit von dir
Mein Herz in deiner Lieb entbrenn
Und von der ganzen Welt sich trenn.
Halt Herz und Brust in Andacht reich
Und mich ganz deinem Willen gleich.

Mach, Herr, durch deines Herzens Quell
Mein Herz von Unflat rein und hell!
Der du bist Gottes Glanz und Bild
Und aller Armen Trost und Schild,
Teil aus den Schätzen deiner Gnad
Auch mir mit Gnade, Rat und Tat.

O süße Brust, tu mir die Gunst
Und fülle mich mit deiner Brunst!
Du bist der Weisheit tiefer Grund,
Dich lobt und singt der Engel Mund,
Aus dir entspringt die edle Frucht,
Die dein Johannes bei dir sucht.

In dir wohnt alle Gottesfüll,
Hast alles, was ich wünsch und will,
Du bist das rechte Gotteshaus,
Drum, wann zur Welt ich muß hinaus,
So schließ mich treulich in dir ein
Und laß mich ewig bei dir sein.


6. An das Herz
(Summi regis cor aveto)

O Herz des Königs aller Welt,
Des Herrschers in dem Himmelszelt,
Dich grüßt mein Herz in Freuden.
Mein Herze, wie dir wohl bewußt,
Hat seine größt und höchste Lust
An dir und deinem Leiden.
Ach, wie bezwang und drang dich doch
Dein edle Lieb, ins bittre Joch
Der Schmerzen dich zu geben,
Da du dich neigtest in den Tod,
Zu retten aus der Todesnot
Mich und mein armes Leben.

O Tod, du fremder Erdengast,
Wie warst du so ein herbe Last
Dem allersüß'sten Herzen!
Dich hat ein Weib der Welt gebracht,
Und machst dem, der die Welt gemacht,
So unerhörte Schmerzen!
Du meines Herzens Herz und Sinn,
Du brichst und fällst und stirbst dahin,
Wollst mir ein Wort gewähren:
Ergreif mein Herz und schleuß es ein
In dir und deiner Liebe Schrein.
Mehr will ich nicht begehren.

Mein Herz ist kalt, hart und betört
Von allem, was zur Welt gehört,
Fragt nur nach eitlen Sachen,
Drum, herzes Herze, bitt ich dich,
Du wollest dies mein Herz und mich
Warm, weich und sauber machen.
Laß deine Flamm und starke Glut
Durch all mein Herze, Geist und Mut
Mit allen Kräften dringen;
Laß deine Lieb und Freundlichkeit
Zur Gegenlieb und Dankbarkeit
Mich armen Sünder bringen.

Erweitre dich, mach alles voll!
Sei meine Ros und riech mir wohl,
Bring Herz und Herz zusammen,
Entzünde mich durch dich und laß
Mein Herz ohn End und alle Maß
In deiner Liebe flammen!
Wer dieses hat, wie wohl ist dem;
In dir beruhn ist angenehm,
Ach, niemand kanns gnug sagen.
Wer dich recht liebt, ergibt sich frei,
In deiner Lieb und süßen Treu
Auch wohl den Tod zu tragen.

Ich ruf aus aller Herzensmacht
Dich, Herz, in dem mein Herz erwacht,
Ach laß dich doch errufen!
Komm, beug und neige dich zu mir
An meines Herzens arme Tür
Und zeuch mich auf die Stufen
Der Andacht und der Freudigkeit,
Gib, daß mein Herz in Lieb und Leid
Dein eigen sei und bleibe,
Daß dir es dien an allem Ort
Und dir zu Ehren immerfort
All seine Zeit vertreibe.

O Herzensros', o schönste Blum!
Ach, wie so köstlich ist dein Ruhm,
Du bist nicht auszupreisen.
Eröffne dich, laß deinen Saft
Und des Geruchs erhöhte Kraft
Mein Herz und Seele speisen!
Dein Herz, Herr Jesu, ist verwundt,
Ach tritt zu mir in meinen Bund
Und gib mir deinen Orden!
Verwund auch mich, o süßes Heil,
Und triff mein Herz mit deinem Pfeil,
Wie du verwundet worden.

Nimm mein Herz, o mein höchstes Gut,
Und leg es hin, wo dein Herz ruht,
Da ists wohl aufgehoben.
Da gehts mit dir gleich als zum Tanz,
Da lobt es deines Hauses Glanz
Und kanns doch nicht gnug loben.
Hier setzt sichs, hier gefällts ihm wohl,
Hier freut sichs, daß es bleiben soll.
Erfüll, Herr, meinen Willen!
Und weil mein Herz dein Herze liebt,
So laß auch, wie dein Recht es gibt,
Dein Herz mein Herze stillen.


7. An das Angesicht
(Salve caput cruentatum)

O Haupt voll Blut und Wunden,
Voll Schmerz und voller Hohn,
O Haupt, zu Spott gebunden
Mit einer Dornenkron!
O Haupt, sonst schön gezieret
Mit höchster Ehr und Zier,
Jetzt aber hoch schimpfieret,
Gegrüßet seist du mir!

Du edles Angesichte,
Davor sonst schrickt und scheut
Das große Weltgewichte,
Wie bist du so bespeit,
Wie bist du so erbleichet,
Wer hat dein Augenlicht,
Dem sonst kein Licht nicht gleichet,
So schändlich zugericht?

Die Farbe deiner Wangen,
Der roten Lippen Pracht
Ist hin und ganz vergangen,
Des blassen Todes Macht
Hat alles hingenommen,
Hat alles hingerafft,
Und daher bist du kommen
Von deines Leibes Kraft.

Nun, was du, Herr, erduldet,
Ist alles meine Last,
Ich hab es selbst verschuldet,
Was du getragen hast!
Schau her, hier steh ich Armer,
Der Zorn verdienet hat,
Gib mir, o mein Erbarmer,
Den Anblick deiner Gnad.

Erkenne mich, mein Hüter;
Mein Hirte, nimm mich an!
Von dir, Quell aller Güter,
Ist mir viel Guts getan.
Dein Mund hat mich gelabet
Mit Milch und süßer Kost;
Dein Geist hat mich begabet
Mit mancher Himmelslust.

Ich will hier bei dir stehen,
Verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
Wann dir dein Herze bricht.
Wann dein Haupt wird erblassen
Im letzten Todesstoß,
Alsdann will ich dich fassen
In meinen Arm und Schoß.

Es dient zu meinen Freuden
Und kommt mir herzlich wohl,
Wenn ich in deinem Leiden,
Mein Heil, mich finden soll.
Ach, möcht ich, o mein Leben,
An deinem Kreuze hier
Mein Leben von mir geben,
Wie wohl geschähe mir!

Ich danke dir von Herzen,
O Jesu, liebster Freund,
Für deines Todes Schmerzen,
Da du's so gut gemeint.
Ach gib, daß ich mich halte
Zu dir und deiner Treu
Und, wenn ich nun erkalte,
In dir mein Ende sei.

Wenn ich einmal soll scheiden,
So scheide nicht von mir;
Wenn ich den Tod soll leiden,
So tritt du dann herfür.
Wenn mir am allerbängsten
Wird um das Herze sein,
So reiß mich aus den Ängsten
Kraft deiner Angst und Pein.

Erscheine mir zum Schilde,
Zum Trost in meinem Tod
Und laß mich sehn dein Bilde
In deiner Kreuzesnot.
Da will ich nach dir blicken,
Da will ich glaubensvoll
Dich fest an mein Herz drücken.
Wer so stirbt, der stirbt wohl.