Paul Gerhardt

Was trauerst du, mein Angesicht

Was trauerst du, mein Angesicht,
Wann du den Tod hörst nennen?
Sei ohne Furcht: er schadt dir nicht,
Lern ihn nur recht erkennen.
Kennst du den Tod,
So hats nicht Not,
All Angst wird sich zertrennen.

Vors erste, zeuch die Larven ab
Der alten roten Schlangen;
Sieh an, daß sie kein Gift mehr hab,
Es ist ihr abgefangen
Durch Jesum Christ,
Der vor uns ist
Ins Grab und Tod gegangen.

Ja Herr, du tratst ihm an das Herz,
Brachst seines Stachels Spitzen;
Nunmehr ist er ein lauter Scherz
Und kann uns gar nicht ritzen;
Dein edles Blut
Dämpft seine Glut,
Dein Flammen zwingt sein Hitzen.

Die Sünde war des Todes Kraft,
Die uns zum Sterben triebe,
Nun ist die Sünd all abgeschafft
Durch Christi Treu und Liebe;
Ihr Ernst und Macht
Ist matt gemacht;
Trotz, daß sie uns betrübe.

Die Sünd ist tot, Gott ist versöhnt,
Durch seines Sohnes Dulden,
Der Grimm ist hin, den wir verdient
Mit unsers Lebens Schulden;
Der vor war Feind,
Ist nunmehr Freund
Voll süßer Gnad und Hulden.

Bist du denn Freund, so kannst du mich,
Mein Gott, ja nicht umbringen;
Dein Vaterherze lässet sich
Zum Mord und Tod nicht dringen.
Wer sich befindt
Dein Erb und Kind,
Ist frei von bösen Dingen.

Das aber, Vater, tust du wohl,
Wann uns die Trübsal kränket,
Wann wir des Lebens satt und voll
Des Jammers, der uns tränket,
Daß dann dein Hand
Ans Vaterland
Uns aus den Fluten lenket.

Wann sich das starke Wetter regt,
Davon die Höhen fallen,
Wann deines Zornes Donner schlägt,
Daß Berg und Tal erschallen:
So trittst du zu
Und bringst zur Ruh
Uns, die dir wohlgefallen.

Wann unsre Feinde um uns her
Uns bringen in die Mitten,
Wann Ottern, Löwen, Wölf und Bär
Ihr Gift auf uns ausschütten:
Nimmst du dein Schaf,
Bringt's in den Schlaf
Bei dir in deiner Hütten.

Wann diese Welt gibt bösen Lohn
Dem, der dich treulich ehret,
So sprichst du: Komm zu mir, mein Sohn,
Hier hab ich, was dich nähret:
Lust, Ehr und Freud,
Die keine Zeit
In Ewigkeit verzehret.

Alsbald schließt uns der Engel Schar
Mit Freud in ihrem Bogen
Und nehmen unsrer Seele wahr,
Die, wann sie ausgeflogen,
In ihre Hut
Mit stillem Mut
Zu Gott kommt angezogen.

Der Herr empfänget seine Braut
Und spricht: Sei mir willkommen!
Du bists, die ich mir anvertraut,
Komm, wohne bei den Frommen,
Die ich vor dir
Anher zu mir
Aus jener Welt genommen.

Du hast behalten Glaub und Treu
Im Herzen, da ich wohne:
So geb und leg ich dir nun bei
Die schöne Freudenkrone.
Ich bin dein Heil,
Dein Erb und Teil,
Tritt her zu meinem Throne.

Hier trockn ich deiner Augen Flut,
Hier still ich deine Tränen,
Hier setzt sich in dem höchsten Gut
Dein Seufzen, Klag und Sehnen;
Dein Jammermeer
Wird niemand mehr,
Als nur in Freud, erwähnen.

Hier kleid ich meiner Christen Zahl
Mit reiner weißer Seide;
Hier springen sie im Himmelssaal,
Und ist nicht, der sie neide;
Hier ist kein Tod,
Kein Kreuz und Not,
Das gute Freunde scheide.

Ach, Gott mein Herr, was will ich doch
Mich vor dem Tode scheuen?
Er ists ja, der mich von dem Joch
Des Elends will befreien:
Er nimmt mich aus
Dem Marterhaus,
Das kann mich nicht gereuen.

Der Tod, der ist mein Rotes Meer,
Dadurch auf trocknem Sande
Dein Israel, das fromme Heer,
Geht zum Gelobten Lande,
Da Milch und Wein
Stets fleußt herein
Wie Ström in ihrem Rande.

Er ist das güldne Himmelstor
Und des Eliä Wagen,
Darauf mich Gott zum Engelchor
Gar bald wird lassen tragen,
Wann er, der Letzt
Und Erste, setzt
Ein End an meinen Tagen.

O süße Lust, o edle Ruh,
O frommer Seelen Freude,
Komm, schleuß mir meine Augen zu,
Daß ich mit Fried abscheide
Hin, da mein Hirt
Mich leiten wird
Zur immergrünen Weide.

Daselbst wird er mit vollem Maß,
Was hier gefehlt, einbringen;
Dafür wird ihm ohn Unterlaß
Sein Halleluja klingen,
Das will auch ich
Ihm williglich
Eins nach dem andern singen.