Gedichte Gedichte

Die besten Gedichte von Gotthold Ephraim Lessing (1729 - 1781) - einem deutschen Schriftsteller, Philosoph, Dramatiker, Publizist und Kunstkritiker (Epoche der Aufklärung). Seine Theaterstücke und theoretischen Schriften haben die Entwicklung der deutschen Literatur maßgeblich beeinflusst.

Inhalt

Berühmte Gedichte

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

An den Leser

Du, dem kein Epigramm gefällt,
Es sei denn lang und reich und schwer:
Wo sahst du, daß man einen Speer,
Statt eines Pfeils vom Bogen schnellt?

Abschied an den Leser

Wenn du von allem dem, was diese Blätter füllt,
Mein Leser, nichts des Dankes wert gefunden:
So sei mir wenigstens für das verbunden,
Was ich zurück behielt.

An das Bild der Gerechtigkeit

… in dem Hause eines Wucherers, nebst der Antwort

Gerechtigkeit! wie kömmst du hier zu stehen?
Hat dich dein Hausherr schon gesehen?
»Wie meinst du, Fremder, diese Frage?
Er sieht und übersieht mich alle Tage.«

An einen Lügner

Du magst so oft, so fein, als dir nur möglich, lügen:
Mich sollst du dennoch nicht betrügen.
Ein einzigmal nur hast du mich betrogen:
Das kam daher, du hattest nicht gelogen.

Das böse Weib

Ein einzig böses Weib lebt höchstens in der Welt:
Nur schlimm, dass jeder seins für dieses einzge hält.

Niklas

Mein Esel sicherlich
Muss klüger sein, als ich.
Ja, klüger muss er sein!
Er fand sich selbst in Stall hinein,
Und kam doch von der Tränke.
Man denke!

Der Regen

Der Regen hält noch immer an!
So klagt der arme Bauersmann;
Doch eher stimm′ ich nicht mit ein,
Es regne denn in meinen Wein.

Lied

Gestern liebt‘ ich,
Heute leid‘ ich,
Morgen sterb‘ ich:
Dennoch denk‘ ich
Heut und morgen
Gern an gestern.

An den Marull

Groß willst du, und auch artig sein?
Marull, was artig ist, ist klein.

Die Beredsamkeit

Freunde, Wasser machet stumm:
Lernet dieses an den Fischen.
Doch beim Weine kehrt sichs um:
Dieses lernt an unsern Tischen.
Was für Redner sind wir nicht,
Wenn der Rheinwein aus uns spricht!
Wir ermahnen, streiten, lehren;
Keiner will den andern hören.

Der Faule

Rennt dem scheuen Glücke nach!
Freunde, rennt euch alt und schwach!
Ich nehm' teil an eurer Müh:
Die Natur gebietet sie.
Ich, damit ich auch was tu, –
Seh' euch in dem Lehnstuhl zu.

Grabschrift auf Kleist

O Kleist! Dein Denkmal dieser Stein?
Du wirst des Steines Denkmal sein.

Grabschrift auf Voltairen

Hier liegt – wenn man euch glauben wollte,
Ihr frommen Herrn, – der längst hier liegen sollte.
Der liebe Gott verzeih aus Gnade
Ihm seine »Henriade«,
Und seine Trauerspiele,
Und seiner Verschen viele!
Denn, was er sonst ans Licht gebracht,
Das hat er ziemlich gut gemacht.

Seufzer eines Kranken

Hier lieg ich schwach und siech;
Und ach! die liebe Sophilette
Weicht keinen Schritt von meinem Bette.
Oh! Dass der Himmel mich
Von beiden Übeln bald errette!

Steckbrief

Lessing war der Sohn eines protestantischen Pfarrers und wuchs in einem Pfarrhaus auf. Er erhielt ein Stipendium an der Königlichen Schule St. Afra in Meißen, wo er zwischen 1741 und 1746 studierte. Ab 1746 studierte er Theologie in Leipzig. Dort lernte er die Theatergesellschaft Die Neubersche Truppe kennen. 1748 führten sie sein erstes Stück auf, die Komödie Der junge Gelehrte, die sofort ein Erfolg wurde. In Wittenberg studierte er eine Zeit lang Medizin (bis 1752). Sein Interesse an der Literatur wurde jedoch immer stärker. Er war entschlossen, ein unabhängiger Schriftsteller zu werden (Anmerkung des Verfassers: Möglicherweise wurde er das auch, aber um den Preis einer bitteren Ironie bzw. Spott, die sich in etlichen seiner Gedichte finden lassen).

Zuvor hatte er in Berlin als Übersetzer und in einer Zeitungsredaktion gearbeitet. Im Jahr 1749 schrieb er dort zwei Komödien. Er befreundete sich mit dem Philosophen Moses Mendelssohn und dem Schriftsteller Friedrich Nicolai, mit dem er später ein literaturtheoretisches Werk, Briefe, die neueste Literatur betreffend, veröffentlichte. Damit wurde eine neue Stilepoche des deutschen Klassizismus eingeläutet. Lessings Ansichten über die Ästhetik des Theaters beinhalteten sowohl emotionale als auch moralische Dilemmata, eine Position, die er in seinen Tragödien weiterentwickelte.

Bis 1755 lebte Lessing als hauptberuflicher Schriftsteller in Berlin, wo er Gedichte, Polemiken und die bürgerliche Tragödie "Miss Sara Sampson" veröffentlichte. Er traf auch Voltaire, mit dem er sich nicht gut verstand. Im Jahr 1756 begab er sich mit Johann Gottfried Winkler, dem Sohn eines Kaufmanns, auf eine Bildungsreise durch Europa. Die Reise wurde jedoch durch den Siebenjährigen Krieg in Amsterdam unterbrochen. Lessing musste 1759 nach Leipzig zurückkehren. Dort schrieb er 3 Bücher mit antiken Fabeln, deren Moral er vom Ideal der Aufklärung her interpretierte. Während des Krieges diente er unter dem preußischen General von Tauentzien in Breslau. 1765 kehrte er nach Berlin zurück, wo er eine Abhandlung über Kunsttheorie schrieb und seine Kriegserlebnisse in dem sehr populären Lustspiel "Minna von Barnhelm" verarbeitete.

Lessing war immer auf der Suche nach finanzieller Stabilität. Deshalb nahm er eine Stelle als Kritiker und Dramaturg am Hamburger Nationaltheater an. Da sein daraus resultierender Band Hamburgische Dramaturgie nicht den erhofften Erfolg brachte, versuchte er, eine Druckerei in Hamburg zu gründen, was ebenfalls scheiterte. Lessing war von Armut bedroht und sah sich daher gezwungen, seine Bibliothek zu verkaufen.
Um sich ein Einkommen zu verschaffen, übernahm er 1770 eine Stelle als Bibliothekar der herzoglichen Bibliothek in Wolfenbüttel. Dies ermöglichte es ihm, ein normales ziviles Leben zu führen. Er zog in ein Haus in der Nähe der Bibliothek, das heute den Namen Lessinghaus trägt und ein Museum beherbergt. In Wolfenbüttel wurde Lessing Freimaurer. Seine berühmteste Tragödie "Emilia Galotti" schrieb er 1772.

Im Jahr 1776 heiratete er in Jork (bei Hamburg) die damals verwitwete Eva König. Sie starb 1778 nach der Geburt eines kurzlebigen Sohnes. Am 15. Februar 1781 starb Lessing im Alter von 52 Jahren während eines Besuchs bei dem Weinhändler Angott in Braunschweig.

Lessing wurde auf dem Braunschweiger Magnifriedhof beigesetzt. 1793 setzte ihm der Braunschweiger Verleger Johann Heinrich Campe einen einfachen Stein mit Lessings Namen und Geburts- und Todestag. Sein Grab galt als verschollen und wurde 1833 von dem Braunschweiger Privatgelehrten und Kunsthistoriker Carl Schiller wieder aufgefunden. Das heutige Grabmal mit einem Reliefporträt Lessings wurde erst 1874 aufgestellt.

Lessing war für seine Freundschaft mit dem deutsch-jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn bekannt. Diese Beziehung weckte sein Interesse an den populären religiösen Debatten der Zeit. Er begann, hitzige & spöttische Pamphlete über seine Überzeugungen zu veröffentlichen, die schließlich verboten wurden. Diese Verbannung inspirierte ihn dazu, zum Theater zurückzukehren, um seine Ansichten darzustellen und "Nathan der Weise" (1779; sein letztes Werk) zu schreiben.

Bekannte Gedichte renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: