Rudolf von Gottschall

Schwarzrotgold

Phantasie eines gefangenen Burschenschafters

Die Wetterwolken lagern auf dem Meere,
Gleich einem zornerfüllten Racheheere!
Es ringen aus dem dunkeln Schoß
Sich züngelnd gold’ne Blitze los!
Vorposten gleich, voll heißer Kampfesgluten,
So springen sie hinunter in die Fluten;
Es glüht nur, wie der letzte Friedenstraum,
Das Abendroth am fernen Himmelssaum.

Du schwarze Nacht voll Graus und Tod,
Du finst’re Pförtnerinn am Himmelsthore,
Du gold’ner Blitz, du träumerisches Roth,
O schwarzrothgold, du heil’ge Trikolore!
Natur schwingt dich in stürmischem Bewegen;
Dem alten Banner jauchzt das Herz entgegen!
Wach wird die alte Kraft, das alte Leben
Ich fühl’s durch meine Adern stürmisch beben!

Die heil’gen Schwüre ew’ger Treue,
Und der Begeist’rung Götterweihe,
Der Thatendrang, die Lebenslust,
Der ganze Himmel meiner Brust:
Das alles ist auf einmal jung geworden,
Das jauchzt Natur in stürmischen Akkorden,
Das jauchzt Natur in tausendstimm’gem Chore:
O schwarzrothgold, du heil’ge Trikolore!

Des Friedens Segen ward zum schweren Fluche;
Ja Deutschland ruht im schwarzen Leichentuche:
Die dunkle Trauer ziemt dem Vaterlande;
Schwarz ist die ew’ge Farbe seiner Schande!

Die Jugend harrt das Schwert in ihren Händen;
Mögst du, o Himmel, ihr ein Zeichen senden!
Roth flammt der Freiheit Feuer in die Weite;
Roth ist das Opferblut im heilgen Streite.

Auf in die Zukunft; sprengt die morschen Schranken;
Denn euer ist die Zukunft, ihr Gedanken!
Langt kühn und sehnend nach der blauen Ferne;
Denn golden, golden sind der Hoffnung Sterne!

Ob wir in Qual, ob wir in Fesseln ringen:
Die Freiheit naht; sie naht auf Blitzesschwingen;
Zerschmelzt die Eisenketten, sprengt die Thore:
O schwarzrothgold, du heil’ge Trikolore!