Leo Greiner

Karneval

Wer bist du, Mädchen, ich kenne dich nicht!
Wie heißeres Lachen schlagen die Schellen,
Und reines Glückes feurige Wellen
Tanzen mir ins Gesicht.
Grell zucken Lichter
Und küssen im Tanz
Hüpfend die brennenden Narrengesichter.
Hektischer Glanz,
Firlefanz
Umrieselt das tolle Gelichter.

Und plötzlich, Mädchen, kenn’ ich dich.
An deinem Lachen kenn’ ich dich.
Kein Narrengelächter, von Tänzen trunken,
Ein Lachen, das leise und versunken
Hallt aus großer Einsamkeit,
Aus einem Walde tief verschneit,
Wo keine Lippen lauter sprechen
Und keine Tritte Zweige brechen.
Dort kann ich dich auf tiefstillen Wegen
Hinwandern sehn,
Dem Dunkel entgegen,
Der traurigen Nacht.
Deine junge Lippe schwermütig lacht
Im Weitergehn.

Komm, Mädchen, ich will dich umfassen
Und dich nicht lassen,
In Trubel und Hassen
Bist du mein.

Den Becher werf’ ich klingend zur Erde
Es springt der Wein.
Stehst nun auf gläsernen Scherben,
So soll verderben
Der irrende Schein.
Laß tanzen und fliegen!
In trunkenen Zügen
Saug’ ich über den flatternden Lügen
Den glühenden Wein deines Leibes ein.