Gedichte Gedichte

Eine Liste guter Gedichte - sowohl lang als auch kurz; moderne und auch Klassiker. Was genau gut ist, hängt von der Perspektive ab. Allerdings gibt es einige Gedichte, die seit Jahrhunderten tradiert werden, und quasi als zeitlos gelten können.


Brauch' ich schöner Worte Wendung?
Sind sie nötig? Sind sie's hier?
Nein, verständlich ist die Sendung,
Und die Sendung redet dir.

Karl Leberecht Immermann (1796 - 1840) war ein deutscher Schriftsteller, Lyriker und Dramatiker. Quelle: An meinen Bruder Ferdinand; Zueignung im Buch "Gedichte".


Du selber stirbst, es stirbt auch was dir gehört,
Eins aber weiß ich […] nie wirds zerstört:
Dies ist der Toten Nachruhm; drum lass das Schlechte,
Und wolle nur das Edle, und tu' das Rechte!

Esaias Tegnér (1782 - 1846), schwedischer Professor und Dichter


Ich weiß wohl, was du liebst in mir:
Es ist die Glut in meiner Brust,
Es ist die zauberhafte Zier
Der tief geheimen innern Lust,
Die strahlt aus mir und ruft zu dir:

Schließ mich in einen Felsenstein,
So ruf ich dich durch Mark und Bein:
Komm, lebe, liebe, stirb bei mir,
        Du musst, du musst!

Clemens Brentano, 1778 - 1842, deutscher Schriftsteller


Auch das leiseste Wort
streift von des heilgen Erleben
schüchternem Flügelbeben
etwas Schimmerstaub fort.

Dass es bei keinem Schlage
von seinem Reichtum verlier,
dulde, dass schweigend zu dir
mein Herz seine Liebe trage!

Leonie Spitzer, 1891-1940, österreichische Schriftstellerin


Die Poesie ist eine Form der Literatur, die aus Versen besteht. Sie nutzt die ästhetischen und rhythmischen Eigenschaften der Sprache wie Metrum und Lautsymbolik, um Bedeutungen zu vermitteln, die die prosaische, scheinbar wörtliche Bedeutung ergänzen, ersetzen oder untergraben.

Gedichte haben eine lange Geschichte, die bis auf das sumerische Gilgamesch-Epos zurückgeht. Frühe Gedichte entwickelten sich aus Volksliedern wie dem chinesischen Shijing oder aus dem Bedürfnis, mündlich überlieferte Epen immer wieder neu zu erzählen, wie in den sanskritischen Veden, den zoroastrischen Gathas und den homerischen Epen Ilias und Odyssee.
Antike Definitionsversuche der Poesie, wie die Poetica des Aristoteles, betonten die Rede in Rhetorik, Drama, Gesang und Komödie. Spätere Versuche konzentrierten sich auf Merkmale wie Wiederholung, Versform und Reim und betonten die Ästhetik, die die Poesie von objektiveren, prosaischeren Formen des Schreibens unterscheidet. Seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts wird die Lyrik zuweilen ganz allgemein als ein im Wesentlichen schöpferischer Akt der Sprache betrachtet.

In der Lyrik werden Formen und Konventionen verwendet, um eine andere Interpretation der Worte zu suggerieren oder eine emotionale Reaktion hervorzurufen. Mittel wie Assonanz, Alliteration, Onomatopoesie und Rhythmus werden manchmal eingesetzt, um zauberhafte oder musikalische Effekte zu erzielen. Die Verwendung von Zweideutigkeit, Symbolik, Ironie und anderen Stilelementen der poetischen Rezitation lässt oft eine Vielzahl von Interpretationen zu.
In ähnlicher Weise schaffen Bilder wie Metaphern, Vergleiche (ob homerisch oder nicht) und Metonymie eine Resonanz zwischen ansonsten disparaten Bildern - eine Überlagerung von Bedeutungen, bei der zuvor ungesehene Verbindungen hergestellt werden. Zwischen den einzelnen Versen können verwandte Formen der Resonanz in ihren Reim- oder Rhythmusmustern vorhanden sein.

Das Vergnügen, das Gedichte dem Leser oder Zuhörer bereitet, entsteht durch die besondere Kombination von Form, Klang und Bedeutung, die dem Vers innewohnt, und dieses Vergnügen kann emotional (z. B. Rührung oder Beschwörung), intellektuell (z. B. Einsicht oder Nuancierung) oder humorvoll sein. Die Empfänglichkeit für Gedichte oder die Sensibilität für Verse hängt auch davon ab, inwieweit sie kultiviert wird.