Gedichte Gedichte

Die besten Gedichte von Heinrich Seidel (1842 - 1906) - einem bedeutenden deutschen Ingenieur und Schriftsteller (Epoche des Realismus).

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Oder mach's wie Herr Asmus tat,
Der wußte, was er sollte;
Der fragte jedermann um Rat
Und tat doch, was er wollte.

Die schlimme Sorte

Eine Sorte von Menschen macht gleich mich verstummen,
Das sind die superklugen Dummen.
Da hilft nur das: Sie schweigend zu tragen
Oder sie einfach niederzuschlagen.

Nach oben!

Du darfst dich nicht nach unten vergleichen!
Hinz und Kunz sind leicht zu erreichen,
Müller und Schulze sind bald übertroffen -
Halt dir den Blick nach oben offen!

Weiße Rose

Weiße Rose, weiße Rose -
Träumerisch
Neigst du das Haupt.
Weiße Rose, weiße Rose -
Balde
Bist du entlaubt.

Weiße Rose, weiße Rose -
Dunkel
Drohet der Sturm.
Im Herzen heimlich -
Heimlich -
Naget der Wurm.

Sonnenblick

Du streiftest meine Bahn mit goldner Spur;
Es liegt ein Schimmer über jenen Tagen!
So hebt ein Sonnenstreif aus schatt′ger Flur
Ein goldnes Grün und lässt es schimmernd sagen
Das schöne Glück, ein Lichtblick ist es nur -
Viel Schatten musst Du seinetwegen tragen.

Das Buch

Der Erste schreibt es,
Der Zweite vertreibt es,
Der Dritte verschmäht es,
Der Vierte ersteht es,
Den Fünften entflammt es,
Der Sechste verdammt es,
Der Siebente schätzt es,
Der Achte versetzt es,
Der Neunte verpumpt es,
Der Zehnte zerlumpt es,
Der Elfte vergräbt es,
Der Zwölfte verklebt es
Zu Tüten, denn im Krämerladen
Da kommen sie schließlich Alle zu Schaden!

Leben & Werk

Heinrich Friedrich Wilhelm Karl Philipp Georg Eduard Seidel war der Sohn eines Pastors und studierte von 1860 bis 1862 am Polytechnikum in Hannover und an der Gewerbeakademie in Berlin und wurde Ingenieur. Ab 1866 war er am Bau des Anhalter Bahnhofs in Berlin beteiligt, dessen Hallendach er als erster mit einer freien Spannweite von 62,5 m konstruierte. 1880 gab er den Beruf jedoch auf, um sich dem Schreiben von Kindergeschichten und Märchen zu widmen, für die er heute vor allem bekannt ist.

In Berlin wird Heinrich Seidel Mitglied des Akademischen Vereins "A.V. Hütte" und der literarischen Gesellschaft "Tunnel über der Spree". Unter dem Pseudonym Johannes Köhnke arbeitete er zusammen mit Julius Stinde (Pseudonym Theophil Ballheim), Johannes Trojan und anderen im Allgemeinen Deutschen Reimverein (ADR), wo er sein Können als Reimakrobat unter Beweis stellte.

Der berühmte Ausspruch "Dem Ingenieur ist nichts zu schwer" war sein persönliches Motto und die erste Zeile seiner Schrift Ingenieurlied. Er ist auf dem Friedhof in Berlin-Lichterfelde beigesetzt.

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: