Friedrich Hölderlin

Dichtermut

Sind denn dir nicht verwandt alle Lebendigen?
   Nährt zum Dienste denn nicht selber die Parze dich?
      Drum! so wandle nur wehrlos
         Fort durchs Leben und sorge nicht!

Was geschiehet, es sei alles gesegnet dir,
   Sei zur Freude gewandt! oder was könnte denn
      Dich beleidigen, Herz! was
         Da begegnen, wohin du sollst?

Denn, wie still am Gestad, oder in silberner
   Fernhintönender Flut, oder auf schweigenden
      Wassertiefen der leichte
         Schwimmer wandelt, so sind auch wir,

Wir, die Dichter des Volks, gerne, wo Lebendes
   Um uns atmet und wallt, freudig, und jedem hold,
      Jedem trauend; wie sängen
         Sonst wir jedem den eignen Gott?

Wenn die Woge denn auch einen der Mutigen,
   Wo er treulich getraut, schmeichlend hinunterzieht,
      Und die Stimme des Sängers
         Nun in blauender Halle schweigt;

Freudig starb er und noch klagen die Einsamen,
   Seine Haine, den Fall ihres Geliebtesten;
      öfters tönet der Jungfrau
         Vom Gezweige sein freundlich Lied.

Wenn des Abends vorbei Einer der Unsern kömmt,
   Wo der Bruder ihm sank, denket er manches wohl
      An der warnenden Stelle,
         Schweigt und gehet getrösteter.