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Die besten Gedichte von Hugo von Hofmannsthal (1874 - 1929) - einem österreichischer Schriftsteller, Dramatiker (Epoche des Fin de Siècle und der Wiener Moderne), Lyriker sowie Librettist.

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Dies ist die Lehre des Lebens, die
erste und letzte und tiefste,
Daß es uns löset vom Bann, den die
Begriffe geknüpft.
Dies ist die Lehre des Lebens. In: Gesammelte Werke, Band 1

 

Ein Augenblick ist wenig - ein Blick ist viel.
Ariadne auf Naxos, Zerbinetta

 

Die Zeit, die ist ein sonderbares Ding.
Der Rosenkavalier

 

Und dennoch sagt der viel, der »Abend« sagt,
Ein Wort, daraus Tiefsinn und Trauer rinnt
Wie schwerer Honig aus den hohlen Waben.
Ballade des äußeren Lebens, Verse 20-22.

 

Die abstrakten Worte, deren sich doch die Zunge naturgemäß bedienen muß, um irgendwelches Urtheil an den Tag zu geben, zerfielen mir im Munde wie modrige Pilze.
Ein Brief, 1902.

 

Leicht muß man sein:
mit leichtem Herz und leichten Händen,
halten und nehmen, halten und lassen …
Quelle: Der Rosenkavalier (Libretto) von Strauss/Hofmannsthal, 1911, 1. Akt.

 

Nur wer sich auf den Weg macht, wird neues Land entdecken.

 

Mensch!
Verlornes Licht im Raum,
Traum in einem tollen Traum,
Losgerissen und doch gekettet,
Vielleicht verdammt, vielleicht gerettet,
Vielleicht des Weltenwillens Ziel,
Vielleicht der Weltenlaune Spiel,
Vielleicht unvergänglich, vielleicht ein Spott,
Vielleicht ein Tier, vielleicht ein Gott.
Quelle: Gedichte, Frühe Verse, Sünde des Lebens

 

Größe

Nennt ihr die Alpen so groß? Leicht könnt ich viel größer sie denken:
Aber den Markusplatz nicht, niemals den Dom von Florenz.

Leben & Werk

Hugo Laurenz August Hofmann, Edler von Hofmannsthal war der Sohn einer christlich-oberösterreichischen Mutter und eines christlich-österreichisch-italienischen Bankdirektors.

Er wurde in Wien am Akademischen Gymnasium unterrichtet, wo er die Werke von Ovid studierte, die später einen großen Einfluss auf sein Werk hatten. Schon früh begann er, Gedichte und Theaterstücke zu schreiben. Einige seiner frühen Werke schrieb er unter Pseudonymen, wie Loris Melikow und Theophil Morren, da er als Student nicht veröffentlichen durfte. Im Alter von siebzehn Jahren lernte er den deutschen Dichter Stefan George kennen und veröffentlichte mehrere Gedichte in Georges Zeitschrift Blätter für die Kunst. Er studierte Jura und später Philologie in Wien, beschloss aber nach seinem Abschluss 1901, sich der Schriftstellerei zu widmen. Zusammen mit Peter Altenberg und Arthur Schnitzler (siehe auch seine Zitate) war er Mitglied der Avantgarde-Gruppe Jung-Wien.

Am 18. Oktober 1902 veröffentlichte Hofmannsthal in der Berliner Tageszeitung "Der Tag" einen fiktiven Brief mit dem schlichten Titel "Ein Brief". Er wurde angeblich im Jahr 1603 von Philip, Lord Chandos an Francis Bacon (siehe auch seine Zitate) geschrieben. In diesem Brief sagt Chandos, dass er aufgehört hat zu schreiben, weil er "die Fähigkeit, zu denken oder von irgendetwas zusammenhängend zu sprechen, völlig verloren hat"; er hat die Möglichkeit der Sprache, die Welt zu beschreiben, aufgegeben. Dieser Brief spiegelt das wachsende Misstrauen und die Unzufriedenheit mit der Sprache wider, die für die Moderne so charakteristisch sind, und Chandos' sich auflösende Persönlichkeit ist nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich bedingt.

In der Frühzeit orientierte sich Hofmannsthal wie andere Dichter seiner Generation am französischen Symbolismus; seine frühen Arbeiten können dem literarischen Jugendstil oder dem literarischen Impressionismus zugeordnet werden. Der 17-jährige Hofmannsthal stilisiert sich selbst als Nostalgiker, dessen wahre Daseinsform die Einsamkeit ist.

Aufgewachsen als Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns, der mit den wichtigsten Künstlern der Zeit gut vernetzt war, wuchs Hofmannsthal in dem auf, was Carl Schorske als "Tempel der Kunst" bezeichnet. Diese perfekte Umgebung für ästhetische Isolation erlaubte Hofmannsthal die einzigartige Perspektive des privilegierten Künstlers, erlaubte ihm aber auch zu sehen, dass die Kunst zu einer verflachten Dokumentation der Menschheit geworden war, die unsere Instinkte und Sehnsüchte nahm und sie für die Betrachtung einrahmte, ohne etwas von den lebendigen, leidenschaftlichen Elementen zu erhalten. Aufgrund dieser Erkenntnis begann Hofmannsthals Vorstellung von der Rolle des Künstlers Gestalt anzunehmen, als jemand, der Werke schuf, die den Instinkt inspirierten oder entflammten, anstatt ihn lediglich in einer kreativen Form zu bewahren. Er begann auch zu denken, dass der Künstler nicht jemand sein sollte, der isoliert und seiner Kunst überlassen ist, sondern eher ein Mann der Welt, der sowohl in die Politik als auch in die Kunst eintaucht.

Hofmannsthal sah in der englischen Kultur das ideale Umfeld für den Künstler. Denn die Engländer bewunderten gleichzeitig Admiral Nelson und John Milton, beides Kriegshelden und Dichter, und bewahrten dennoch eine solide nationale Identität.
"Nach [Hofmannsthals] Ansicht existiert die Trennung zwischen Künstler (Schriftsteller) und Mann der Tat (Politiker, Entdecker, Soldat) in England nicht. England bietet seinen Untertanen eine gemeinsame Energiebasis, die als Gleichgewicht funktioniert, eine Kraft, die im fragmentierten Deutschland fehlt" (Weiss).
Diese singuläre und doch pragmatische Identität muss Hofmannsthal angesichts der weitgehenden Zersplitterung des damaligen Österreichs, das die Geburt des radikalen Nationalismus und Antisemitismus erlebte, in dem sich der fortschrittliche Künstler und der fortschrittliche Politiker von Tag zu Tag mehr unterschieden und feindlich gegenüberstanden, in gewisser Weise gereizt haben.

Zitate über Hofmannsthal

„Die Erscheinung des jungen Hofmannsthal ist und bleibt denkwürdig als eines der großen Wunder früher Vollendung; in der Weltliteratur kenne ich bei solcher Jugend außer bei Keats und Rimbaud kein Beispiel ähnlicher Unfehlbarkeit in der Bemeisterung der Sprache, keine solche Weite der ideellen Beschwingtheit, kein solches Durchdrungensein mit poetischer Substanz bis in die zufälligste Zeile, wie in diesem großartigen Genius, der schon in seinem sechzehnten und siebzehnten Jahr sich mit unverlöschbaren Versen und einer noch heute nicht überbotenen Prosa in die ewigen Annalen der deutschen Sprache eingeschrieben hat. Sein persönliches Beginnen und zugleich schon Vollendetsein war ein Phänomen, wie es sich innerhalb einer Generation kaum ein zweites Mal ereignet.“
Stefan Zweig in seinen Memoiren "Die Welt von Gestern" (1942), S. 63–64

„Das Bild der Autors in der literarischen Öffentlichkeit blieb, auch nachdem sich Hofmannsthal ab 1910 von der Sprachmagie des Lyrischen abgewandt hatte und kaum mehr Gedichte schrieb, weiterhin von diesem lyrischen Frühwerk geprägt, das 1903 in den Ausgewählten Gedichten in 300 Exemplaren im Verlag der Blätter für die Kunst und 1907 in Die gesammelten Gedichte erschienen ist.“
Walter Schmitz in Kindlers Literatur Lexikon. 3., völlig neu bearbeitete Auflage. 18 Bde.; 2009,

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: