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Das Gedicht „Ich denke Dein“ stammt aus der Feder von Friederike Brun.

II.

Ich denke dein, wenn sich im Blütenregen
Der Frühling malt;
Und wenn des Sommers mild gereifter Segen
In Ähren strahlt.

Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönend
Gen Himmel hebt,
Und vor der Wogen Wut das Ufer stöhnend
Zurückebebt.

Dein denk' ich, wenn der junge Tag sich golden
Der See enthebt,
An neugebornen zarten Blumendolden
Der Frühtau schwebt.

Ich denke dein, wenn sich der Abend rötend
Im Hain verliert,
Und Philomelens Klage leise flötend
Die Seele rührt.

Dein denk' ich, wenn im bunten Blätterkranze
Der Herbst uns grüsst;
Dein, wenn, in seines Schneegewandes Glanze,
Das Jahr sich schliesst.

Am Hainquell, ach! im leichten Erlenschatten
Winkt mir dein Bild!
Schnell ist der Wald, schnell sind die Blumenmatten
Mit Glanz erfüllt.

Beim trüben Lampenschein, in bittern Leiden,
Gedacht' ich dein!
Die bange Seele flehte nah' am Scheiden:
»Gedenke mein!«

Ich denke dein, bis wehende Zypressen
Mein Grab umziehn;
Und selbst in Lethe's Strom soll unvergessen
Dein Name blühn!

Hinweis: Das Gedicht wurde von Carl Friedrich Zelter vertont. Als Goethe die Komposition hörte, bildete er es zur „Nähe des Geliebten“ um.

I.

Ich denke dein, wenn über Roms Ruinen
Die Sonne sinkt!
Vom Abendrot durch Eichengrün beschienen
Die heil'ge Tiber blinkt!

Dein denk' ich, wenn der grauen Vorwelt Schauer
Der Hall' entschwebt!
Des Eppichs Netz an hoher Riesenmauer
Im Mondstrahl silbern bebt!

Wenn in der Pinie ernstem Säulentempel
Mein Aug' erquickt,
Betrachtung, Tiefsinn, euren hehren Stempel
Rings um sich her erblickt!

Dort an des Grabes ew'ger Pyramide
Warst du mir nah!
Mir nah als ich Orest der Eumenide
Geweiht, voll Wehmut sah!

Electra's hoher Sinn, und Weibesmilde
Mich tief durchdrang!
Des Griechen Geist mir aus dem Marmorbilde
Wie Saitenton erklang!

Im Lorbeerwald, wo die Zypresse dunkelt,
Im Myrtenhain
Wenn über mir des Himmels Bogen funkelt
Denkt meine Seele Dein!

Ach dein, wenn über Tod, und Grab, und Erde,
Mein Geist sich schwingt!
Des Schöpfers zweiter Allmachtsruf es werde
Auch meine Gruft durchdringt.

Wenn Nemesis, was strenge du gefordert
Ist abgebüßt -
Und Psyche, der nicht mehr die Fackel lodert,
Vergelterin dich grüßt!

III.

Ich denke dein, wenn sich im Blütenregen
Der Frühling malt;
Und wenn des Sommers mild gereifter Seegen
In Ähren strahlt.

Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönend
Gen Himmel hebt,
Und vor der Wogen Wut das Ufer stöhnend
Zurücke bebt.

Dein denk' ich, wenn der junge Tag sich golden
Der See enthebt,
An neugebornen zarten Blumendolden
Der Frühtau schwebt.

Ich denke dein, wenn sich der Abend rötend
Im Hain verliert,
Und Philomelens Klage leise flötend
Die Seele rührt.

Dein denk' ich, wenn im bunten Blätterkranze
Der Herbst uns grüßt;
Dein, wenn, in seines Schneegewandes Glanze,
Das Jahr sich schließt.

Am Hainquell, ach! im leichten Erlenschatten
Winkt mir dein Bild!
Schnell ist der Wald, schnell sind die Blumenmatten
Mit Glanz erfüllt.

Beim trüben Lampenschein, in bittern Leiden,
Gedacht' ich dein!
Die bange Seele flehte nah' am Scheiden:
»Gedenke mein!«

Ich denke dein, bis wehende Zypressen
Mein Grab umziehn;
Und selbst in Lethe's Strom soll unvergessen
Dein Name blühn!

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