Francis Jammes

Gebet, um Gott einfältige Worte anzubieten

Übertragen von Ernst Stadler

Gleich jenem Bilderschnitzer, den ich heute Morgen sah, besorgt und still
Im klaren Lichte sich auf seine Arbeit bücken,
Heilige schnitzend für die Kanzel seines Dorfes: also will
In meine Seele ich die frommen Bilder drücken.
Er rief zu seiner armen Schnitzbank mich heran,
Sein hölzern Werk zu sehn, und lange stand ich so davor
Und sah den Löwenkopf zu Füßen von Sankt Markus und den Aar
Zu Füßen von Johannes und Sankt Lukas in den Händen
Ein offnes Buch, darin die heiligen Regeln ständen.
Des Bildners Linke hatte übern Meißel sich gestreckt,
Die Rechte, aufgehoben, hielt noch zaudernd einen Hammer ausgestreckt.
Draußen auf Schieferdächern tanzte Mittagsluft in blauen Lichtern,
Von welkenden Basilien stieg ein frommer Weihrauchduft empor
Zu all den plumpen Heiligen mit den eckigen Gesichtern.

Mein Gott, so schöne heilige Arbeit haben meine Hände nicht bestellt.
Du wolltest nicht, o Gott, daß ich zu dieser Welt
In armer Stube käme, nah dem Fenster, wo zur Nacht
Die Kerze tanzend vor den grünen Scheiben wacht.
Und wo vom frühen Morgen an die hellen Hobel gehn.
Mein Gott, wie gerne hätt’ ich meine Heiligenbilder dir gebracht.
Und all die zarten Kinder, die am Heimweg von der Schule sie gesehn,
Ständen vor meinen weisen Königen entzückt,
Die Gold und Weihrauch spendeten und Elfenbein.
Und neben den drei Königen aus Morgenland
Schnitt ich ins Holz so wie aus Weihrauch eine Wolke ein,
Und hätte rings mein Bild mit Lilienkelchen ausgeschmückt,
Demütig schön wie Trinkgefäße, die ich in der Armen Stuben fand.

Mein Gott, da immer noch mein Herz sich quält und fragt,
Ob es in rechter Demut sich dir nahe,
Nimm diese schlicht einfältigen Worte von mir an
Statt eines Kanzelstuhls, darin die reine Magd
Von früh bis spät Fürsprach mir hätt’ getan.