Ida John

Weihnachten

Mach’ auf die Thür und blank das Haus: es kommt mit Klang und Strahl
Der Tag durch Schnee und Sturmgebraus ins engste Erdenthal.
Wie Frühlicht strahlt der Weihnachtstern in jede dunkle Nacht;
Erlösung schimmert nah und fern bei seiner Wunderpracht.
Wohl krächzt der Raben schwarzer Thor, es starrt in Frost der See,
Mit stummer Bitte übers Rohr nach Futter späht das Reh.
Manch Menschenkind, verirrt vom Weg, mit schwerer Last allein,
Steht furchtsam vor verschneitem Steg und weiß nicht aus noch ein;
Doch sacht um Eis und Thränen geht vom Lenz ein Traumeshauch,
Es weicht die Nacht, Verheißung weht: »Seit still – dich grüß’ ich auch!«

Millionenfach im weiten Raum erglänzt der Lichter Bann,
Im Wald den jüngsten Tannebaum saßt heimlich Sehnen an:
Wie freudlos ruht das Schneegewand auf seinem Nadelgrün,
Er sehnt sich nach der Kerzen Brand, die hell am Christfest glüh’n.
Kein Hof so arm, so schmal kein Herd, kein Mensch in Dorf und Stadt,
Dem Liebe nicht sein Licht beschert, der nichts zu spenden hat.
Es schweigt der Kampf um Glück, berührt von jenem Wundergeist,
Der Könige zur Krippe führt und Hirten singen heißt.
Die Weihnachtsglocken heben an: sie läuten Freude ein.
Frohlock’ auch du und tritt heran, mit Kindern Kind zu sein.