Gedichte Gedichte

Die besten Gedichte von Klabund (eigentlich Alfred Henschke; 1890 - 1928) - einem deutschen Schriftsteller und Dichter (Epoche des Expressionismus).

Bekannte Gedichte

Kurze Gedichte

Die Luft ist voll von deinem Duft,
O süßer Leib du von Jasmin!
Die Uhr schlägt drei. Am Horizont
Die ersten rosa Wolken ziehn.

Die ersten rosa Wolken ziehn
Am Horizont. Die Uhr schlägt drei.
O süßer Leib du von Jasmin,
Die Luft ist voll von deinem Duft!

 

Soll ich kleine Lieder singen,
Wie ich oftmals tat?
Sonne schon und Nachtigallenschwingen
Naht.
Unterm Schnee die Quellen rauschen
Schon dem Frühling zu.
Laß uns lächeln, laß uns lauschen!
Du!
Rinnt nicht auch in deinen Tränen
Schon der Mai?
Liebend Berge sich an Berge lehnen.
Sei!
Eine Tanne steht im jungen Triebe,
Wo der Marder schlich.
Winter wankt. Die Föhne stürmen. Liebe
Mich!

 

Und dieser Krug, den ich am Munde halte:
Er ist ein Abbild andrer Krüge nur.
Das Neue wird so ganz und gar das Alte -
Und eine gleicht der andren Wagenspur.
Ausschnitt; zum kompletten Text: Das Sinngedicht des persischen Zeltmachers.

Die Glocke

Die Glocke dröhnt und stöhnt die Stunden in die Welt.
O, wer sie dieses Zwangs entbände!
Sie ist bis an ihr Ende
Bestellt,
Daß klingend sie ihr Herz ins Nichts verschwende.

Vergib mir

Vergib mir.
Ich tat,
Was Gott allein zu tun geziemt:
Nahm deine Hand für meine Hand,
Dein Herz für meines.
Mich verwirrte
Die schöne Nacht,
Der goldne Stern im Strauch
Und dann: der namenlose Duft der Linde.
Verzeih.

Mystik

Ich gehe langsam durch die Stadt
Zum Ein- bis Zweifamilienbad.
Schon hebt sich aus der weißen Flut
Ein brauner Bauch, der trübe tut.
Der Bauch tut nichts. Je nun: ich weiß:
Die andre Seite ist der Steiß.
Ein jedes erntet hier sein Heil
Vom Gegen-Teil. Im Gegen-Teil.

Die unendliche Woge

Wie des Meeres Wellen
Auf und nieder wellen:
Also wogt unendlich mein Verlangen,
Dich zu fangen, zu umfangen.
Wie entflieh ich meinem Wahne?
Neige ich mich aus dem Kahne:
Immer seh den einzigen Gedanken
Ich im Meere auf und nieder schwanken.

 

(Aus: Chinesische Nachdichtungen)

Lebenslauf

Geboren ward Klabund,
Da war er achtzehn Jahre
Und hatte blonde Haare
Und war gesund.

 
Doch als er starb, ein Trott,
War er zwei Jahre älter,
Ein morscher Lustbehälter,
So stieg er aufs Schafott.

Er brachte ein′ Zwilling um...
(Das Mädchen war vom Lande
Und kam dadurch in Schande
Und ins Delirium.)

Als sie die ihr geschenkte Kristallflasche in der Hand hielt

Brechen sich im Glas die Strahlen,
Bricht das Glas sich in den Strahlen?
Glänzt dein Auge in der Sonne,
Glänzt die Sonn′ in deinem Auge?
Liebt dein Herz mich? Herzt mich deine
Liebe? Seliges Verdämmern:
Denn wir sterben unser Leben
Und wir leben unsren Tod.

Im Boot

Windgeile Wellen unsre Barke schlingern,
Das Wasser dumpf den Himmel widerspiegelt:
Da stehen Häuser, sterngeziegelt,
Und Wolken drehn das Steuer uns mit leise rosa Fingern.

Als sie meine Stimme im Radio hörte

Du hörtest meine Stimme wie von fern.
Sprach ich von einem andern Stern?
Du griffst mit deinen Händen in das Leere,
Ob dort ein Leib nicht und ein Lächeln wäre.
Kein Leib. Nur Stimme. Lippe nicht. Nur Wort.
Und leise legtest du den Hörer fort.

Am Luganer See

Durchs Fenster strömt der See zu mir herein,
Der Himmel auch mit seinem Mondenschein.
Die Wogen ziehen über mir dahin,
Ich träume, dass ich längst gestorben bin.
Ich liege auf dem Grunde alles Seins
Und bin mit Kiesel, Hecht und Muschel eins.

Auf der Wiese

Wir liegen im blühenden Schoße des Wiesenrains
Und trinken eins und eins und immer noch eins.
Wenn ich betrunken wie ein offenes Gatter im Winde schnarre:
Geh nach Hause, hol mir die Gitarre!
Und laß mich dann allein in meines Rausches Nachen:
Ich will mit einem jungen Lied im Arm erwachen.

(Li-tai-pe)

Leben & Werk

Alfred Georg Hermann „Fredi“ Henschke wurde in Crossen geboren. Er war der Sohn eines Apothekers. Im Alter von 16 Jahren erkrankte er an Tuberkulose, die von den Ärzten zunächst als Lungenentzündung fehldiagnostiziert wurde. Die Krankheit begleitete ihn für den Rest seines kurzen Lebens.

Nachdem er 1909 in Frankfurt (Oder) das Abitur mit Bestnote abgelegt hatte, studierte er in München Chemie und Pharmakologie. Er änderte jedoch bald seine Pläne und studierte Philosophie, Philologie und Theaterwissenschaften in München, Berlin und Lausanne. Schon in München war er durch den Theaterwissenschaftler Artur Kutscher mit der Bohème in Berührung gekommen, und durch andere lernte er Frank Wedekind kennen. 1912 brach er sein Studium ab und nahm das Pseudonym Klabund an, wobei er sich nach Peter Hille als vagabundierender Dichter bezeichnete. Ein erster Gedichtband erschien unter dem Titel Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!

1913 kam Klabund mit Alfred Kerrs Magazin PAN in Kontakt, veröffentlichte aber weiterhin in den Zeitschriften Jugend und Simplicissimus. Ab 1914 schrieb er für Die Schaubühne, die später in Die Weltbühne umbenannt wurde. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, begrüßte er ihn mit Begeisterung, schrieb wie viele andere Schriftsteller der Zeit verschiedene patriotische Gedichte. Wegen seiner Tuberkulose wurde er nicht zum Militär eingezogen, und tatsächlich verbrachte er während der Kriegsjahre oft Zeit in Schweizer Sanatorien. In dieser Zeit begann er, sich für fernöstliche Literatur zu interessieren, die er zu übersetzen und zu bearbeiten begann. Im Laufe des Krieges änderte sich Klabunds Weltanschauung und er wurde zu einem Gegner des Krieges. 1917 veröffentlichte er in der Neuen Zürcher Zeitung einen offenen Brief an Kaiser Wilhelm II. und forderte dessen Abdankung, woraufhin er wegen Hochverrats und Majestätsbeleidigung angeklagt wurde.

1918 heiratete er Brunhilde Herberle, die er in einem Sanatorium für Lungenkranke kennengelernt hatte. Sie starb später im Jahr an den Komplikationen einer Frühgeburt. 1918 erschien auch Klabunds populärstes Prosastück, der Roman Bracke. 1920 widmete Klabund seiner Freundin und Muse Marietta di Monaco den kurzen Liebesroman Marietta.

Im Jahr 1923 heiratete er die Schauspielerin Carola Neher. 1925 wurde dann sein Stück Der Kreidekreis, das auf einer chinesischen Erzählung basiert, in Meißen uraufgeführt. Die Berliner Aufführungen des Stücks im selben Jahr wurden ein großer Erfolg (Bertolt Brecht adaptierte das Stück später in seinem Kaukasischen Kreidekreis). In den folgenden Jahren schrieb Klabund regelmäßig für Kabaretts, unter anderem für Schall und Rauch. Seine volkstümlichen Gedichte und Lieder erlangten große Popularität.

Im Mai 1928 erkrankte er während eines Italienaufenthaltes an einer Lungenentzündung, die zusammen mit seiner latenten Tuberkulose lebensbedrohlich war. Er wurde zur Behandlung nach Davos gebracht, starb aber kurz darauf. Er wurde in seinem Geburtsort Crossen (heute Krosno Odrzańskie) beigesetzt und von seinem Freund und Schriftstellerkollegen Gottfried Benn gewürdigt.

Werk

Klabund verfasste 25 Theaterstücke und 14 Romane - von denen einige erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden -, zahlreiche Kurzgeschichten, viele Bearbeitungen und mehrere literaturgeschichtliche Werke. Zwischen 1998 und 2003 erschien eine Sammlung seiner Werke in acht Bänden.

Das Pseudonym Klabund wurde von Alfred Henschke als Zusammensetzung aus den beiden Wörtern Klabautermann (ein verschlagener Kobold des deutschen Volksglaubens) und Vagabund erklärt. In Anlehnung an Peter Hille gab er vor, ein vagabundierender Poet zu sein. Ab 1916 gab er dem Pseudonym eine weitere Bedeutung, nämlich „Wandlung“. Damit spielte er auf seinen Gesinnungswandel im Ersten Weltkrieg an, den er zunächst befürwortete, später aber - auch durch den Einfluss seiner zukünftigen Ehefrau - ablehnte.

Berühmte Verse renommierter Poeten, die sich der Lyrik verschrieben haben: